#23: Facebook – Was macht eigentlich die Facebook-Aktie gerade?

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„We don’t have to be smarter than the rest,
we have to be more disciplined than the rest.“
– Warren Buffett

Ich hatte am 3. August 2018 eine sehr detaillierte Unternehmensanalyse zu Facebook veröffentlicht und ausführlich dargestellt, warum ich der Facebook-Aktie trotz Kurseinbruch ein Like gebe.

Im Rahmen des Artikels erwähnte ich, dass meiner Meinung nach die Wachstumsstory von Facebook – trotz gesenkter Prognosen – weiterhin intakt ist. Außerdem fügte ich hinzu, dass ich Facebook als ein Value Investment betrachte, es sich um eine Alpha Aktie handelt und – sogar vor Apple (hier geht es zu meiner Apple-Analyse vom 17. Februar 2018) – mein damaliger Top Pick ist.

Folglich ist es höchste Zeit, ein Update zum aktuellen Stand bei Facebook zu verfassen.

Warum war die Facebook-Aktie eingebrochen? 

Der zuvor genannte Kurseinbruch kam zustande, als CFO David Wehner eine Verlangsamung des Umsatzwachstums in den kommenden beiden Quartalen sowie steigende Kosten und sinkende operative Margen für die kommenden beiden Jahre ankündigte.

Wehner führte drei Kernpunkte für die Verlangsamung des Umsatzwachstums auf. Erstens droht Gegenwind aus währungstechnischen Gründen aufgrund des starken US-Dollar. Zweitens plant Facebook den Ausbau neuer Features (z. B. Stories, Instagram Shopping), welche noch keine große Monetarisierung aufweisen. Drittens möchte Facebook infolge der EU-Datenschutzverordung und um zukünftige Datenskandale zu vermeiden den Nutzern mehr Optionen in Bezug auf den Umgang mit ihren Daten anbieten.

Unter der Berücksichtigung, dass Facebook 98% seiner Einnahmen aus Werbung generiert, ist verständlich, dass die Nutzung von weniger Daten zu weniger personalisierter und zielgruppenorientierter Werbung und somit geringerer Monetarisierung führen kann.

Worauf basierte meine Annahme, dass sich die Facebook-Aktie erholen würde?

Um diese nochmals stichpunktartig zusammenzufassen:

  • Facebook ist von einem tiefen Burggraben umgeben und besetzt quasi eine Monopolstellung im Social-Media-Bereich mit seinen über 2,2 Mrd. Nutzern und seinem Ökosystem (Facebook, Messenger, WhatsApp, Instagram),
  • Facebook besitzt eine schuldenfreie Bilanz und hat nach Abzug seiner Verbindlichkeiten einen Cashbestand von rund $40 Mrd. (entspricht knapp 10% der Marktkapitalisierung),
  • Facebook besitzt im Markt- und Peer-Group-Vergleich eine überproportional hohe Profitabilität und einen hohen Cashflow,
  • Facebooks Bewertung ist im Markt- und Peer-Group-Vergleich attraktiv bewertet bei einem Umsatz- und Gewinnwachstum von rund 30% und einem KGV von knapp über 20,
  • Facebook ist in zahlreichen Zukunftsfeldern unterwegs und besitzt trotz seiner Größe weiterhin ein hohes Wachstumspotenzial im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung und
  • Facebook hat im Rahmen seiner bestehenden Plattformen weiterhin ein großes Monetarisierungspotenzial.

Die im Earnings Call genannten Investitionen sollten meines Erachtens die Zukunftsfähigkeit von Facebook sicherstellen sowie Risiken vom Unternehmen und Anlegern abwenden. Ich vermutete, dass diese Ankündigungen dazu dienten, (politischen) Druck von dem Unternehmen zu nehmen und guten Willen zu zeigen.

Ferner vermutete ich, dass nachdem die kritische Zeitperiode mit den Wahlen vorüber ist, sich das Wachstum von Facebook erneut beschleunigen wird. Insofern sollte es sich um ein temporäres Ereignis handeln.

Des Weiteren vermutete ich, dass das Facebook-Management bei der Prognose konservativ geschätzt hatte, um Raum für positive Überraschungen zu lassen.

Wie hat sich die Facebook-Aktie seitdem entwickelt?

Die kurze Antwort lautet: sie ist gestiegen. Die etwas längere Antwort lautet, dass sie trotz diverser Negativschlagzeilen und Enthüllungen zu den Datenleaks entlang der „Mauer der Angst“ hochgeklettert ist.

Erst diese Woche Mittwoch titelte Bloomberg, dass auf Amazon Web Services für einen nicht bekannten Zeitraum Millionen von Nutzerdaten frei zugänglich gespeichert waren. Das ist zwar sehr unerfreulich für die Facebook-Nutzer. Aber das hinderte die Wall Street-Analysten nicht daran, ihr Kursziele hochzuschrauben, sodass die Aktie am folgenden Tag, trotz eines generell schwächeren Marktes, erneut im Plus notierte. Am Donnerstag nach Börsenschluss stand die Aktie auf über $176 mit einem Plus von rund 1,5%.

Die folgende Abbildung veranschaulicht die Kursentwicklung von Facebook im Vergleich zum S&P 500. Auffällig ist, dass die Facebook-Aktie trotz des Datenskandals mit einer Performance von 60% den S&P 500 outperformt hat. Der S&P 500 legte im selben Zeitraum eine Performance von 40% hin (in US-Dollar). 

Kursentwicklung Facebook vs. S&P 500 über die letzten drei Jahre; Quelle: Onvista

 

Wer also nach den Kursverlusten im Rahmen des Cambridge Analytica-Skandals oder dem Ausverkauf dem nach Earnings Call Ende Juli 2018 die Nerven bewahrt hat und nichts unternommen oder sogar nachgekauft hat, kann sich heute über Kursgewinne erfreuen.

Nach Veröffentlichung der Quartalsergebnisse Ende Januar 2019 sprang die Aktie sogar von $144 um rund 15% auf $166 hoch, nachdem Facebook die Erwartungen der Analysten übertroffen und ein überraschendes Gewinnwachstum von 61% veröffentlichte.

Jedoch war dieser starke Gewinnanstieg in erster Linie auf Steuervergünstigungen zurückzuführen. Der operative Gewinn stieg um 6% und der Umsatz um 30%. Das Umsatzwachstum hat sich also von rund 40% etwas verlangsamt, aber ist für einen Blue Chip mit einer Marktkapitalisierung von rund $500 Mrd. immer noch sehr beeindruckend. Das Wachstum bei Facebook scheint somit, wie vermutet, ungebrochen.

Darüber hinaus konnte Facebook – dank Instagram – auch ein weiteres Wachstum der täglich aktiven (DAU) und monatlich aktiven Nutzer (MAU) von 9% verzeichnen.

Wie geht es weiter? 

Laut den Chart-Analysten von Lynx befindet sich die Facebook-Aktie aktuell in einem bullischen Trend. Sie trauen der Aktie sogar kurzfristig ein Kursziel von $180-188 zu (siehe folgende Abbildung).

Facebook-Chartanalyse per 03.04.2019; Quelle: Lynx Broker

 

Ich persönlich bin in Bezug auf die weitere Entwicklung bei Facebook entspannt. Mit einem forward KGV von 23, einem profitablen Umsatzwachstum von rund 30% und einer soliden Bilanz halte ich die Aktie immer noch für kaufenswert. Nicht umsonst zählt sie zu den größten Positionen im Real Financial Dynamics-Wikifolio.

In Bezug auf das zukünftige Wachstum war Facebook aktiv und hat vor kurzem „Instagram Checkout“ vorgestellt. Instagram Checkout ermöglicht es Nutzern, innerhalb der App Käufe des gewünschten Produkts zu tätigen. Bisher wurden Nutzer auf externe Webseiten der Händler umgeleitet. Laut Unternehmensaussagen klicken rund 130 Millionen monatlich aktiven Nutzer (MAUs) auf Produktangebote innerhalb der Instagram-App. Im Rahmen von Instagram Checkout soll Facebook zukünftig eine Verkaufsgebühr von den teilnehmenden Händlern erhalten. Wie hoch diese sein wird, wurde nicht veröffentlicht. Aktuell teilnehmende Händler sind zum Beispiel Nike, Adidas, Prada, H&M, Burberry und Zara.

Im E-Commerce – ähnlich zu Payment- und Streaming-Services – tummeln sich mittlerweile immer mehr Akteure, nachdem insbesondere Shopify mit seinem Konzept Erfolg hat. Neben Facebook mit Instagram Checkout, haben Square und Microsoft ebenfalls ihre Ambitionen im E-Commerce-Bereich bekundet. Adobe hat zuletzt mit der Übernahme von Magento auch einen Fuß in den E-Commerce-Markt gesetzt. Nicht zu vergessen ist Amazon als größter Online-Marktplatz der Welt.

Gleichwohl hat Facebook mit seinen über zwei Milliarden Nutzern einen ebenfalls bedeutenden Netzwerk-Vorteil. Es bleibt abzuwarten, inwiefern es Facebook gelingen wird, dieses Potenzial zu monetarisieren und sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Auffällig ist allerdings, dass die Plattformen von Facebook immer integrierter werden und sich in Richtung Tencents WeChat-Plattform bewegen.

Laut Analysten der Deutschen Bank könnte „Instagram Checkout“ einen Umsatz von bis zu $10 Mrd. in 2021 generieren. Ob diese Prognose zutrifft, bleibt abzuwarten. Fakt ist allerdings, dass Instagram ein bedeutender Wachstumstreiber für Facebook ist und in Zukunft werden wird. Unter der Berücksichtigung, dass Facebook die Instragram-Plattform für eine Milliarde US-Dollar in 2012 gekauft hatte, erweist sich Instagram im Nachhinein als wahres Schnäppchen und als Gelddruckmaschine.

Fazit

„Kurzfristig ist der Markt ein Schönheitswettbewerb,
langfristig ist er eine Waage.”
– W. Buffett

Infolge des Datenskandals habe ich eine Reihe von Artikeln und Beiträgen gelesen, wonach Facebook dem Untergang geweiht, horrende Strafen zahlen muss und eine reine Zocker-Aktie sei. Gleichzeitig gab es eine Vielzahl von Schwarzmalern und Untergangspropheten, die empfohlen haben, die Aktie zu meiden oder zu verkaufen. Kommt dir das aktuell bei einer anderen Aktie bekannt vor?

Ich für meinen Teil konzentriere mich auf die Fundamentaldaten und gehe davon aus, dass ein Unternehmen mit einem bedeutenden Wettbewerbsvorteil, einem stabilen Wachstum, einer soliden Bilanz und einem Management, welches sich bewährt hat, auch in unruhigen Gewässern das Schiff auf Kurs halten kann. Aktuell scheint Facebook diese Annahme unter Beweis zu stellen, sodass ich sie nur passiv zu verfolgen brauche, während ich mich um neue, potenzielle Investments kümmern kann.

Die Facebook-Aktie gehört aus diesem Grund zu den größten Positionen im Real Financial Dynamics-Wikifolio mit einer aktuellen Gewichtung von fünf Prozent. Im Übrigen habe ich beschlossen ein weiteres Wikifolio nur für Aktien-Investments zu erstellen, da ich des Öfteren den Wunsch von Investoren für ein reines Aktien-Wikifolio erhalten habe. Diesem Wunsch komme ich mit dem „RFD Alpha Stocks“-Wikifolio entgegen. Dieses Wikifolio richtet sich an Anleger, die an der Outperformance von Real Financial Dynamics teilhaben, aber gleichzeitig sichergehen möchten, dass ihr Geld nur in Aktien investiert wird. Möchtest du dich für das Wikifolio vormerken, damit du nach Börsengang direkt informiert wirst, dann kannst du dich hier vormerken. Ziel ist es natürlich die Benchmark zu schlagen.

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Viel Erfolg bei deinen Investments!

Dynamische Grüße,

Güner Soysal, 05.04.2019
Founder & CEO, Investment Analyst (M.A.)

Quellen & Links

Sämtliche Inhalte nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr für Aktualität, Richtigkeit, Vollständigkeit und Genauigkeit. Die Kolumne dient nur der Information und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der erwähnten Wertpapiere dar. Der Autor haftet nicht für materielle und/oder immaterielle Schäden, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der Inhalte oder durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Inhalte verursacht wurden.

Offenlegung von Interessenskonflikten: Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung direkt oder mittelbar Positionen in den erwähnten Wertpapieren: Facebook, Square, Microsoft, Shopify, Adobe, NikeDer Autor beabsichtigt nicht innerhalb von 36 Stunden nach Veröffentlichung direkt oder mittelbar Transaktionen in den erwähnten Wertpapieren zu tätigen.


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