#14: Facebook – warum ich der Aktie trotz Kurseinbruch ein „Like“ gebe

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In meiner „Marktanalyse vom 17.07.2018 – Von der „Wall of Worry“ zum nächsten All-Time-High?“ hatte ich angekündigt, dass ich eine inspirative Analyse eines ganz besonderen Unternehmens veröffentlichen möchte, welches aus unserem Leben kaum noch wegzudenken und dessen Potenzial meines Erachtens unterschätzt wird. Wie am Titel dieses Beitrags ersichtlich ist, handelt es sich dabei um Facebook.

Ich muss zugeben, dass ich mich mit Facebook als Plattform nie wirklich anfreunden konnte. Gleichzeitig fragte ich mich, warum Facebook überhaupt an die Börse ging, wer die Aktien kaufte, wie Facebook Geld verdiente und warum die Aktie seit Jahren wie an der Schnur gezogen gestiegen ist.

Seit ihrer Erstnotiz am 18. Mai 2012 mit USD 38 hat sich die Aktie – nach einer kurzzeitigen Halbierung unmittelbar nach dem Börsengang – mit USD 174,89 mehr als verviereinhalbfacht (Stand: 27.07.2018; siehe folgende Grafik).

Performance der Facebook-Aktie seit Börsengang, Zeitraum: 18.05.2012 – 27.07.2018, Quelle: Onvista

 

Mein Verständnis für Facebook – sowohl die Plattform als auch das Unternehmen – änderte sich jedoch als ich ab Ende 2016 anfing mich mit der Börse und dem Unternehmen näher zu beschäftigen. Zum einen bot mir die Plattform die Möglichkeit, mich mit Gleichgesinnten in Facebook-Gruppen zu vernetzen. Zum anderen fand ich heraus, was Facebook als Unternehmen für ein potenzielles Investment auszeichnet. Die Konsequenz war, dass ich mir die Facebook-Aktie ins Depot legte.

Zufälligerweise kam es letzte Woche – also genau rechtzeitig für diesen Beitrag – zu einem „Kurseinbruch“. Nachdem die Facebook-Aktie dieses Jahr nach dem Datenskandal auf bis zu USD 150 fiel, legte sie eine beeindruckende Kursrally auf über USD 218 hin und notierte kurz vor der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse auf einem neuen Allzeithoch.

Infolge der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse fiel die Aktie nachbörslich zunächst um rund 9%. Im Rahmen des Earnings Call zwischen dem Facebook-Management und den Analysten fiel die Aktie plötzlich um mehr als 20% auf rund USD 166. Dieser Kurseinbruch sorgte nicht nur unter Börsianern für große Aufmerksamkeit, sondern erregte auch in den Medien großes Aufsehen (siehe folgende Grafik).

Kurseinbruch nach Veröffentlichung der Quartalsergebnisse, Quelle: Onvista

 

Gleichzeitig hatte dieser Kurseinbruch zur Folge, dass Facebook-CEO Mark Zuckerberg seinen kürzlich errungenen Platz als drittreichster Mensch der Welt wieder abgeben musste und um drei Ränge zurückfiel.

In diesem Beitrag möchte ich kurz und kompakt auf Facebook aus der Sicht eines potenziellen Investors eingehen. Unter Umständen hast oder hattest du auch dieselben Erfahrungen gemacht wie ich und dieser Beitrag hilft dir, eine neue Sichtweise auf Facebook zu gewinnen.

Doch bevor wir uns dem Unternehmen und den Gründen für ein potenzielles Investment widmen, nehmen wir zunächst einmal unter die Lupe, welche Gründe zum Einbruch der Facebook-Aktie führten.

1. Warum ist der Aktienkurs um rund 20% eingebrochen?

In Bezug auf die Quartalsergebnisse ist zunächst einmal zu erwähnen, dass der Umsatz um 42% und der Gewinn je Aktie um 32% im Jahresvergleich gestiegen sind. Während beim Gewinn die Analystenprognosen um drei Cent bzw. 1,75% übertroffen werden konnten, lag der Umsatz mit USD 120 Mio. bzw. 0,9% unterhalb der Analystenprognosen. Diese „Umsatzverfehlung“ reichte aus, um die Aktie zunächst um rund 9% auf Talfahrt zu schicken (siehe folgende Grafik).

Ergebnisse für das 2Q 2018, Quelle: Facebook Investor Relations

 

Soweit hört sich die Entwicklung erst einmal harmlos an. Die eigentliche „Hiobsbotschaft“ kam im Earnings Call als CFO David Wehner eine Verlangsamung des Umsatzwachstums in den kommenden beiden Quartalen sowie steigende Kosten und sinkende operative Margen für die kommenden beiden Jahre ankündigte (siehe folgenden Textauszug):

Stellungnahme des Facebook-CFO David Wehner im Earnings Call bezüglich der zukünftigen Umsatzentwicklung, Quelle: Seeking Alpha Earnings Call Transkript

 

Zunächst einmal ist also festzuhalten, dass das Umsatzwachstum von 49% im ersten Quartal um sieben Prozentpunkte auf 42% im Vergleich zum Vorjahresquartal gesunken ist. Ferner soll das Umsatzwachstum im dritten und vierten Quartal jeweils um einen hohen einstelligen Prozentsatz sinken. Nehmen wir also an, dass der Umsatz im dritten und vierten Quartal um weitere sieben Prozentpunkte sinkt, entspricht das einem Umsatzwachstum von 35% im dritten Quartal und 28% im vierten Quartal.

Was sind die Gründe für die Verlangsamung des Umsatzwachstums?

Wie der nachfolgende Textauszug darstellt, führt CFO Wehner drei Kernpunkte für die Verlangsamung des Umsatzwachstums auf. Erstens droht Gegenwind aus währungstechnischen Gründen aufgrund des starken USD. Zweitens plant Facebook den Ausbau neuer Features (z. B. Stories), welche noch keine große Monetarisierung aufweisen. Drittens möchte Facebook infolge der EU-Datenschutzverordung und um zukünftige Datenskandale zu vermeiden den Nutzern mehr Optionen in Bezug auf den Datenschutz anbieten. Unter der Berücksichtigung, dass Facebook 98% seiner Einnahmen aus Werbung generiert, ist verständlich, dass die Nutzung von weniger Daten zu weniger personalisierter und zielgruppenorientierter Werbung und somit geringerer Monetarisierung führen kann.

Gründe für Verlangsamung des Umsatzwachstums laut CFO David Wehner, Quelle: Seeking Alpha Earnings Call Transkript

 

Was sind die Gründe für die steigenden Ausgaben?

Zusätzlich zur Verlangsamung des Umsatzwachstums hat der CFO auch steigende Kosten und Investitionen angekündigt. Dabei sollen in 2019 die Ausgaben stärker als der Umsatz wachsen. Infolge der steigenden Ausgaben soll die operative Marge von aktuell rund 45% auf Mitte 30% sinken.

Als Gründe für die steigenden Ausgaben werden unter anderem Investitionen in Sicherheit und Datenschutz, Ausbau der verschiedenen Plattformen (u. a. Facebook, Messenger, Instagram) sowie Investitionen in eigene Datenzentren, Augmented/ Virtual Reality, Marketing, Content Akquisition (z. B. für Facebook Watch und Instagram TV) und Bürogebäude genannt (siehe folgenden Textauszug):

Stellungnahme des CFO David Wehner zu steigenden Kosten und Investitionen, Quelle: Seeking Alpha Earnings Call Transkript

 

Ferner hat Facebook-CEO Mark Zuckerberg in besonderem Maße hervorgehoben, dass in den kommenden 18 Monaten wichtige Wahlen in Indien, Brasilien, den USA und der EU anstehen. Insofern darf und kann sich Facebook in diesem Zusammenhang keine weiteren Diskussionen rundum Datenskandale und Fake News erlauben. Nachdem Mark Zuckerberg bereits vor einigen Wochen vor dem US-Kongress Stellung nehmen musste, könnte ein ähnlicher Vorfall die Zukunftsfähigkeit von Facebook gefährden. Somit sind die in diesem Zusammenhang getätigten Investitionen (aus Investoren-Sicht) sinnvoll,  nachvollziehbar und erforderlich.

Kommen wir jetzt zur Preisfrage: kam diese Meldung überraschend? 

Die kurze Antwort heißt: nein. Die ausführliche Antwort ist, dass das Facebook Management bereits im Rahmen der Ergebnisse zum ersten Quartal eine Verlangsamung des Umsatzwachstums als Konsequenz zur EU-Datenschutzverordnung sowie zusätzlich steigende Kosten angekündigt hatte.

Zum einen hatte Mark Zuckerberg angekündigt, dass sich die Mitarbeiterzahl zur Bekämpfung von Fake News und Hasskommentaren bis Ende 2018 auf über 20.000 Personen verdoppeln soll.

Zum anderen hatte CFO David Wehner bereits im Earnings Call zum ersten Quartal angekündigt, dass mit potenziellen Auswirkungen der EU-Datenschutzverordnung auf das Geschäft von Facebook gerechnet wird. Gleichzeitig ist er von einer Verlangsamung des Umsatzwachstums ausgegangen, konnte diesen aber noch nicht beziffern. Zusätzlich wurde die Erhöhung der bereits oben genannten Ausgaben angekündigt (siehe folgenden Textauszug).   

Stellungnahme des CFO David Wehner aus dem 1. Quartal 2018 zur zukünftigen Umsatz- und Ausgabenentwicklung, Quelle: Seeking Alpha Earnings Call Transkript

 

Darüber hinaus ging das Facebook-Management von einer stagnierenden Zahl der täglich aktiven Nutzer (DAU) und monatlich aktiven Nutzer (MAU) aus. Diese Befürchtung hat sich für das zweite Quartal als unbegründet erwiesen. Im Gegenteil, die Zahl der täglich und monatlich aktiven Nutzer ist sowohl im Jahres- als auch im Quartalsvergleich auf der Gesamtebene gestiegen. Gleichwohl fällt auf, dass nur die Zahl der täglich und monatlich aktiven Nutzer in Europa um 3 Mio. bzw. 1 Mio. (entspricht einem Rückgang von 1% bzw. 0,27%) im Vergleich zu den Vorquartalen erstmals rückläufig war (siehe folgende Abbildung).  

Anzahl der monatlich aktiven Nutzer von Facebook (MAU), Stand: 2Q 2018, Quelle: Facebook

 

Ein Punkt, welcher vermutlich seitens der Marktteilnehmer als „kritisch“ betrachtet wurde, war die Tatsache, dass das Facebook-Management die Auswirkungen der oben genannten Maßnahmen nun beziffern konnte. Scheinbar ging der Markt nach den Aussagen des CFO im Earnings Call zum ersten Quartal („we do not anticipate these changes will significantly impact advertising revenue“) davon aus, dass das Umsatzwachstum nicht in dem Maße sinken würde, wie es im Earnings Call zum zweiten Quartal angekündigt wurde, d. h. von 49% Umsatzwachstum im ersten Quartal auf voraussichtlich 28% im vierten Quartal. Eine weitere Erklärung für die Nervosität der Anleger könnte die Anmerkung des CFO sein, dass das Kostenwachstum in 2019 das Umsatzwachstum übersteigen soll.

Ist diese Prognose nun ein Anlass, um die Facebook-Aktie nicht zu kaufen oder gar zu verkaufen?

Schauen wir uns im Folgenden an, warum sich trotz der gesenkten Prognosen ein Investment in Facebook rentieren könnte.

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2. Tiefer Burggraben 

„Some people dream of success…while others wake up and work hard at it.“
– Mark Zuckerberg

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass Facebook mit seinen verschiedenen Plattformen (Facebook, Messenger, WhatsApp, Instagram) das weltweit größte soziale Netzwerk im Internet darstellt. Laut dem Facebook-Management betrug zum Ende des 2. Quartals 2018 die Zahl der monatlich aktiven Nutzer mehr als 2,2 Milliarden und die Zahl der täglich aktiven Nutzer rund 1,5 Milliarden. Darüber hinaus würden insgesamt 2,5 Milliarden Menschen weltweit eine der Facebook-Plattformen nutzen. Die Betonung liegt hierbei auf einzelnen Personen, da Mehrfach-Accounts herausgerechnet worden seien.

Unter der Berücksichtigung, dass laut Statista im Jahr 2017 rund 7,55 Mrd. Menschen auf der Erde lebten und China mit seinen 1,4 Mrd. Einwohnern herausgerechnet wird, da Facebook dort gesperrt ist, besaß im übrigen Teil der Erde mehr als jede dritte Person ein Account auf einer der genannten Plattformen im Facebook-Universum.

Gleichwohl erfreut sich Facebook weiterhin einer steigenden Nutzerzahl. Die Zahl der täglich aktiven Nutzer stieg um 11% auf 1,47 Milliarden und die Zahl der monatlich aktiven Nutzer stieg ebenfalls um 11% auf 2,23 Milliarden. Ferner teilte das Management mit, dass Instagram zum ersten Mal die Marke von einer Milliarde Nutzer geknackt hat.

Die folgende Abbildung veranschaulicht die Nutzerzahl der unterschiedlichen sozialen Netzwerke (Stand: August 2017). Die Plattformen der chinesischen Unternehmen Tencent und Alibaba sind zwar nicht dargestellt, gleichwohl hat Facebook auch in diesem Vergleich mehr MAUs.

Die größten sozialen Netzwerke und Messenger nach der Anzahl der monatlich aktiven Nutzer im August 2017 in Millionen, Quelle: Statista (Abb. entnommen aus Elwis Rocks)

 

Insofern ist es nahezu unmöglich an Facebook als Plattform vorbeizukommen. Sei es im privaten Bereich zwecks Vernetzung mit Freunden, Familienmitgliedern und Gleichgesinnten oder im geschäftlichen Bereich, um für die Kunden erreichbar zu sein, für Produkte und Dienstleistungen zu werben und die Wahrnehmung für das Unternehmen zu steigern. Dies trifft für Unternehmen und Dienstleister aller Größenordnungen zu (z. B. Großunternehmen, mittelständische Unternehmen, Kleinunternehmer, Selbstständige, Künstler).

Zusammenfassend ist Facebook von einem tiefen Burggraben umgeben, wie es Warren Buffet ausdrücken würde. Es gibt als soziales Netzwerk im digitalen Zeitalter keine nennenswerte alternative Plattform zu Facebook, welche über zwei Milliarden Mitglieder besitzt und wo sich Nutzer – im privaten und beruflichen Bereich – so einfach mit einer derartigen Reichweite vernetzen und präsentieren können. Akteure, welche eine Gefahr für Facebook darstellen könnten, werden entweder übernommen (siehe Instagram) oder, falls dies nicht möglich sein sollte, werden ihre beliebten Features einfach kopiert (z. B. Snapchat-Stories, nachdem Evan Spiegel, der CEO von Snap Inc., nicht bereit war, sein Unternehmen an Facebook zu verkaufen).

3. Hohe Bilanzqualität

Neben der Tatsache, dass meines Erachtens die über zwei Milliarden Nutzer und der Zugang zu deren Daten das wichtigste Asset von Facebook darstellen, fällt die hohe Bilanzqualität des Unternehmens auf.

Facebook besaß per Ende des zweiten Quartals USD 42,31 Mrd. an liquiden Mitteln. Gleichzeitig ist das Unternehmen schuldenfrei. Selbst nach Verrechnung der liquiden Mittel mit den kurzfristigen Forderungen und den Gesamtverbindlichkeiten hätte das Unternehmen mehr als USD 38 Mrd. an liquiden Mitteln zur Verfügung (siehe folgende Grafik: Total current assets vs. Total liabilities).

Facebooks Assets und liquide Mittel vs. Verbindlichkeiten, Stand: 2Q 2018 Quelle: Facebook

 

4. Hohe Profitabilität und hohe Cashflows

In Bezug auf die Profitabilität und den Cashflow fällt auf, dass Facebook eine wahre Gelddruckmaschine ist. Im Geschäftsjahr 2017 generierte Facebook einen Umsatz von USD 40,6 Mrd. bei einer operativen Marge von 50% und einer Nettomarge von 39%. Das heißt, dass von jedem Dollar Umsatz, welchen Facebook generierte, 39 Cent als Gewinn in der Kasse verblieben sind.

Im 2. Quartal 2018 hatte Facebook eine operative Marge von 44% und eine Nettomarge von 38,6% (siehe folgende Abbildung):

Ergebnisse für das 2Q 2018, Quelle: Facebook

 

Um die Profitabilität von Facebook besser einzuschätzen, bietet sich ein Vergleich mit anderen großen Tech-Werten an. Beispielsweise hatte Microsoft im Geschäftsjahr 2017 eine Nettomarge von 23,6%, Apple von 21% und Alphabet (Google) von 22%. Insofern brilliert Facebook im Vergleich mit den Tech-Werten – trotz einer im 2. Quartal 2018 rückläufigen operativen Marge – mit einer überproportional hohen Profitabilität. Selbst wenn die operative Marge, wie im Earnings Call mit dem CFO angekündigt, auf Mitte 30% fallen würde, würde dies in Relation zu den übrigen Tech-Werten immer noch einer überproportional hohen operativen Marge sowie Nettomarge entsprechen.

Die hohe Profitabilität von Facebook hängt in erster Linie damit zusammen, dass das Unternehmen 98,5% seiner Einnahmen durch Werbung generiert (davon 91% mobile Werbung) und somit im Gegensatz zu beispielsweise Industriekonzernen keine teuren Produktionsanlagen und Materialien finanzieren muss.

Die folgende Abbildung veranschaulicht die Gewinn- und Umsatzentwicklung von Facebook innerhalb der Jahre 2013-2017.

Gewinn- und Umsatzentwicklung von Facebook im Zeitraum 2013-2017, Quelle: Facebook

 

In Bezug auf den Cashflow zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei der Profitabilität. Während Facebook im Geschäftsjahr 2017 im operativen Geschäft rund USD 40,65 Mrd. generierte, standen davon USD 17,5 Mrd. (entspricht einer Free Cashflow-Rendite von 43%) als freie Mittelzuflüsse dem Unternehmen zur Verfügung. Da das Unternehmen keine Schulden hat, kann es diese Mittel für die im ersten Abschnitt genannten Maßnahmen, in Wachstum und Aktienrückkäufe investieren.

Free Cashflow von Facebook im Zeitraum 2013-2017, Quelle: Facebook Investor Relations

 

In Verbindung mit dem zweiten Quartal ist zu erwähnen, dass die Free Cashflow-Rendite bei 21% lag. Diesen Rückgang zum Vergleichswert aus dem Geschäftsjahr 2017 führe ich in erster Linie auf die im ersten Abschnitt genannten Maßnahmen des Facebook-Managements zurück. Wobei auch diese Free Cashflow-Rendite einen im Peer-Group-Vergleich guten Wert darstellt. Beispielsweise lagen  für das Geschäftsjahr 2017 die Vergleichswerte bei Apple und Alphabet bei 22%. Im Vergleich zu diesen beiden Unternehmen wies Microsoft eine etwas höhere Free Cashflow-Rendite von 35% auf.

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5. Attraktive Bewertung

Der Aktienkurs lag am 27.07.2018 bei USD 174,89. Der Gewinn je Aktie für das Geschäftsjahr 2018 soll laut Durchschnittswert der Analystenschätzungen bei USD 7,28 liegen. Dies würde einem für 2018 prognostizierten KGV von 24 entsprechen.

Im ersten Quartal dieses Jahres steigerte Facebook den Gewinn je Aktie um 62% auf USD 1,69 und im zweiten Quartal um 32% auf USD 1,74. Basierend auf den Aussagen des CFO, dass die operative Marge in den kommenden Jahren auf Mitte 30% tendieren wird, nehmen wir nun an, dass der Gewinn in den nächsten beiden Quartalen um je 30% steigen würde. Dann ergibt sich für das dritte Quartal ein Gewinn je Aktie von USD 2,07 und für das vierte Quartal ein Gewinn je Aktie von USD 1,87. In Summe ergibt sich daraus für das Geschäftsjahr 2018 ein Gewinn je Aktie von USD 7,37. Laut dieser Berechnung würde das KGV von Facebook, ausgehend vom oben genannten Aktienkurs, bei 22,8 liegen.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist, dass das durchschnittliche Gewinnwachstum je Aktie für die letzten drei Jahre bei 70% pro Jahr lag. Im Vergleich zu 2016 ist der Gewinn je Aktie im Jahr 2017 um 54% gestiegen.

Aufgrund einer konservativen Vorgehensweise werde ich für die weitere Kalkulation den niedrigeren Wert der Analysten in Höhe von USD 1,74 Gewinn je Aktie und das KGV von 24 verwenden. Gleichwohl vermute ich, dass das Facebook-Management bei der Prognose konservativ schätzt, um eine potenzielle Prognoseverfehlung zu vermeiden und Raum für positive Überraschungen zu lassen.

Ferner besitzt Facebook liquide Mittel von rund USD 42 Mrd., welche sich die Aktionäre theoretisch auszahlen lassen oder für die das Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen könnte. Die liquiden Mittel entsprechen 8,3% der Marktkapitalisierung von rund USD 505 Milliarden (Stand: 27.07.2018). Wird das KGV von 24 um 8,3% reduziert, ergibt sich ein KGV von 22.

Anleger bekommen also im Falle von Facebook ein Unternehmen mit einem KGV von 24 (bzw. 22 nach Abzug der liquiden Mittel), dessen Gewinn je Aktie auf Basis einer konservativen Rechnung pro Jahr um rund 30% wachsen dürfte. Wird diese Zahlenreihe für die kommenden fünf Jahre fortgeschrieben, ergeben sich die folgenden Werte (siehe Grafik):

Facebook Wachstumsprognose 2018-2023, Stand: 27.07.2018, Quelle: eigene Darstellung

 

Ferner gibt die oben dargestellte Abbildung die Bewertung von Facebook nach dem Scoringmodell von Peter Lynch sowie der Gewinnrendite nach Ken Fisher an. Diese Angaben sind für die weitere, im folgenden Abschnitt erfolgende Bewertung von Bedeutung.

Im Folgenden möchte ich fünf Vergleiche herstellen, um darzustellen, dass Facebook aktuell eine attraktive Bewertung aufweist:

  • Vergleich mit den Durchschnitts-KGVs vom S&P 500 und Nasdaq
  • Vergleich zur Anleiherendite anhand der Gewinnrendite nach Ken Fisher
  • Bewertung anhand des Scoringmodells nach Peter Lynch
  • Vergleich zur Peer-Group (FANG-Aktien)
  • Vergleich mit dem Fünf-Jahres-KGV von Facebook

Vergleich mit den Durchschnitts-KGVs vom S&P 500 und Nasdaq
Für den Vergleich mit den aktuellen Durchschnitts-KGVs im S&P 500 und Nasdaq bietet das Wallstreet Journal eine entsprechende Übersicht an. Wie die folgende Grafik darstellt, weisen die Werte im S&P 500 gemäß aktuellen Prognosen ein Durchschnitts-KGV von 24 für 2018 und 17,6 für 2019 auf. Die Werte im Nasdaq weisen ein Durchschnitts-KGV von 26,11 für 2018 und 21,4 für 2019 auf.

Somit ist Facebook mit einem prognostiziertem KGV von 24 für 2018 bzw. einem KGV von 18 für 2019 im Vergleich zum S&P angemessen und im Vergleich zum Nasdaq – wo die eigentliche Peer-Group enthalten ist – günstiger bewertet.

Durchschnitts-KGV des S&P 500 und Nasdaq, Stand: 27.07.2018, Quelle: Wall Street Journal

 

Vergleich zur Anleiherendite anhand der Gewinnrendite nach Ken Fisher
Die Gewinnrendite bzw. das Gewinn-Kurs-Verhältnis gibt nach Ken Fisher die relative Attraktivität von Aktien im Vergleich zu einem Investment in Anleihen an. Hierfür wird das KGV einer Aktie durch 1 dividiert. Das heißt, dass im Falle von Facebook die Gewinnrendite für 2018 bei 4,17% liegen würde (1/24 = 0,0417). Unter der Berücksichtigung, dass die Rendite von 10-jährigen US-Staatsanleihen unter 3% liegt, wird ein Investment in Facebook auch vor diesem Hintergrund attraktiv.

Sollte es Facebook gelingen, sein Gewinnwachstum in Zukunft beizubehalten oder sogar zu steigern, geht die Schere zwischen der Anleiherendite und einem Investment in Facebook noch weiter auseinander. Würde beispielsweise Facebooks Gewinn bis ins Jahr 2020 um mindestens 30% wachsen, müsste die Anleiherendite mindestens bei 7% pro Jahr liegen, damit ein Investment in Anleihen attraktiver als ein Investment in Facebook erscheint (siehe obere Abbildung zu Facebooks Wachstumsprognose). 

Bewertung anhand des Scoringmodells nach Peter Lynch
Nachdem wir eine Relation zum allgemeinen Markt und zu Anleihen durchgeführt haben, schauen wir uns als nächstes nun eine relativ simple Formel zur isolierten Beurteilung der Attraktivität eines Investments an. Hierfür nimmt Peter Lynch die langfristige Wachstumsrate, zählt sie zur Dividendenrendite hinzu und teilt das Ergebnis durch das KGV. Laut Peter Lynch ist ein Quotient von weniger als 1 schlecht und 1,5 ist in Ordnung. Wonach Anleger aber wirklich Ausschau halten sollen, seien Bewertungen von 2 oder mehr.

Wenden wir diese Formel nun auf Facebook an, erhalten wir bei einem prognostizierten Gewinnwachstum von 30% und einem KGV von 24 für 2018 einen anfänglichen Quotienten von 1,25. Das wirkt auf den ersten Blick unattraktiv. Gleichwohl liegt der Quotient für 2019 bereits bei 1,62 und für 2020 bei attraktiven 2,11. Somit nimmt die Bewertung von Facebook basierend auf Peter Lynch Scoringmodell bereits ab kommendem Jahr eine attraktive Dimension an (siehe obere Abbildung zu Facebooks Wachstumsprognose).

Vergleich mit der Peer-Group (FAANG-Aktien)
Schauen wir uns in diesem Abschnitt nun die Bewertung von Facebook im Peer-Group-Vergleich an. Da Facebook aufgrund seiner Dimension und seines Geschäftsmodells einzigartig ist, bietet sich am besten ein Vergleich mit den sogenannten FAANG-Aktien (Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google/Alphabet) an. Als Ergänzung nehme ich noch Microsoft als weiteren Tech-Wert in diese Liste mit auf.

Demzufolge werden für diese Tech-Werte laut Morningstar folgende KGVs für die Geschäftsjahre 2018 und 2019 prognostiziert:

  • Amazon:       144 (2018); 114 (2019)
  • Netflix:          162 (2018); 130 (2019)
  • Alphabet:      54 (2018); 28 (2019)
  • Microsoft:      73 (2018); 25 (2019)
  • Facebook:     27 (2018); 24 (2019)

Der Vollständigkeit und der besseren Vergleichbarkeit halber habe ich zusätzlich die Daten für Facebooks-KGV aus Morningstar hinzugefügt. Wie an der oben dargestellten Aufstellung ersichtlich ist, ist Facebook im Peer-Group-Vergleich ebenfalls attraktiv bewertet.

Gleichwohl wird hier als Vergleich ausschließlich das KGV verwendet. Es erfolgt keine Berücksichtigung des Geschäftsmodells, der Finanzkraft, der Zukunftsaussichten, der Risiken des Geschäftsmodells und der Konkurrenzsituation.

Vergleich mit dem Fünf-Jahres-KGV von Facebook
Schauen wir uns im Rahmen der Bewertung nun noch den 5-Jahres-KGV-Verlauf von Facebook an. Wie die folgende Abbildung darstellt, war Facebooks KGV in den vergangenen fünf Jahren nie so günstig wie dies aktuell der Fall ist.

Facebooks KGV im Zeitablauf, Zeitraum 2014-2018, Stand: 30.07.2018, Quelle: Ycharts

Ein weiterer Faktor, welcher die zukünftige Bewertung von Facebook senken kann sind potenzielle Aktienrückkäufe auf Basis der zukünftig generierten Cashflows. Zusätzlich kann sich eine Beschleunigung des Wachstums infolge einer zu konservativen Prognose des Managements positiv auf die Bewertung auswirken. Diese beiden Möglichkeiten sind in den zuvor genannten Bewertungsmodellen nicht berücksichtigt.

6. Charttechnisches Aufholpotenzial

Zuerst möchte ich betonen, dass ich kein Charttechniker bin und meine Investmententscheidungen nicht am Chartverlauf ausmache. Allerdings kann der Chart bei fundamental gesunden Unternehmen als zusätzliches Hilfsmittel dienen. Vor allem, um zu ermitteln, ob es sich um eine Überreaktion des Marktes handelt oder eine charttechnisch „günstige“ Gelegenheit vorliegt. Hierfür ist insbesondere die 200-Tage-Linie ein hilfreiches Instrumentarium.

Wie der nachfolgende Chart veranschaulicht, ist die Facebook-Aktie in den letzten fünf Jahren dreimal unter die 200-Tage-Linie gefallen (siehe rote Linie und rote Pfeile): einmal Ende 2016 und zweimal im Laufe dieses Jahres. Der erste Sturz unter die 200-Tage-Linie erfolgte als der „Cambridge Analytica“-Skandal ans Tageslicht kam. Der zweite Rücksetzer erfolgte nach dem aktuellen Earnings Call bezüglich einer Verlangsamung des Wachstums und steigenden Ausgaben. Gleichzeitig ist zu erkennen, dass sich der Aktienkurs bei den letzten beiden Fällen relativ schnell über die 200-Tage-Linie erholte.

Als Ergänzung dazu habe ich noch die 100-Tage-Linie mit aufgenommen (grüne Linie). Hier ist zu erkennen, dass die 100-Tage-Linie die 200-Tage-Linie nie nach unten druchkreuzt hat (unter Börsianern ist das ein schlechtes Omen, welches weiter fallende Kurse ausdrückt). Folglich bestünde vor diesem Hintergrund Optimismus für eine relativ zügige Kurserholung, zumindest oberhalb der 200-Tage-Linie, welche bei rund USD 180 verläuft.

Facebooks Fünf-Jahres-Chart, Stand: 27.07.2018, Quelle: Comdirect

 

7. Other bets und Wachstumspotenziale

In Bezug auf Facebooks Wachstumspotenziale lässt sich auf Basis der Äußerungen diverser CEOs konstatieren, dass wir erst am Anfang der digitalen Transformation stehen. Facebook als größtes soziales Netzwerk ist in der digitalen Welt einer der größten Nutznießer der zunehmenden Digitalisierung. Warum ist das so?

Zunächst einmal haben Facebooks Plattformen aktuell über 2,2 Milliarden monatlich aktive Nutzer (MAUs). Wie bereits erwähnt, entspricht dies mehr als jeder dritten Person auf diesem Planeten (China ausgenommen). Gleichzeitig zeigt die Zahl der täglich und monatlich aktiven Nutzer ein kontinuierliches Wachstum  auf.

Neben der Tatsache, dass die Zahl der täglich aktiven Nutzer (DAUs) um 11% auf 1,47 Milliarden und die Zahl der monatlich aktiven Nutzer (MAUs) ebenfalls um 11% auf 2,23 Milliarden im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen ist, fällt das überproportionale Wachstum in der Region „Asien-Pazifik“ auf. Die Zahl der MAUs ist im asiatisch-pazifischen Raum im Vergleich zum Vorjahresquartal um 18% gestiegen (siehe folgende Grafik).

Anzahl der monatlich aktiven Nutzer von Facebook (MAU), Quelle: Facebook Investor Relations

 

Wird nun zusätzlich der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer (ARPU) und pro Region in Betracht gezogen, fällt auf, dass die Gebiete außerhalb von USA und Kanada einen unterdurschnittlichen Umsatzbeitrag leisten und zusätzliches Monetarisierungspotenzial aufweisen. Unter der Berücksichtigung, dass sich China in Zukunft öffnen könnte (auch wenn diese Wahrscheinlichkeit aktuell als gering erscheint) und das Internet noch nicht überall auf Erde verbreitet ist, hat Facebook – trotz der großen Zahl an Nutzern – immer noch ein immenses Wachstumspotenzial (siehe folgende Grafik). Laut verschiedenen Quellen haben aktuell rund drei Milliarden Menschen auf der Erde noch keinen Internetzugang.

Durchschnittlicher Umsatz pro Nutzer (ARPU) und pro Region, Stand: 2Q 2018, Quelle: Facebook

 

Zur Bekräftigung dieses Arguments kann erwähnt werden, dass Google im Rahmen seines Projekts „Loon“ vor kurzem einen Deal mit Telekom Kenia abgeschlossen hat, um das Land flächendeckend mit einem Internetzugang zu versorgen. Facebook experimentierte an einem ähnlichen Projekt, welches allerdings vor kurzem auf Eis gelegt wurde.

Als weiteres Beispiel hatte ich in meiner Kurzvorstellung von Reliance erwähnt, dass Reliance bis Ende des Jahres 99% der indischen Landesfläche mit 4G/LTE abdecken möchte. Dadurch wiederum würde sich der potenzielle Nutzerkreis und das Monetarisierungspotenzial von Facebook zusätzlich erhöhen (hier geht es zu meinem Reliance-Artikel).

Darüber hinaus hatte ich in der Einleitung geschrieben, dass es scheint, als wenn die Öffentlichkeit das Potenzial von Facebook unterschätzen würde. Dies liegt meines Erachtens in erster Linie darin begründet, dass Facebook nach öffentlichen Meinungen „nicht wirklich etwas produziert“, sondern 98% seiner Einnahmen durch Werbung generiert. Wenn wir uns allerdings die Ergebnisse und Pläne der anderen großen Tech-Unternehmen anschauen, wird das verkannte Potenzial offensichtlicher.

Beispielsweise hat Apple CEO Tim Cook im letzten Earnings Call angekündigt, im Apple Appstore zukünftig mehr Werbung für Apps einzublenden und diese auf die Länder Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien auszuweiten. Apple habe in diesem Bereich ein starkes Wachstum beobachten können.

Ein weiteres Beispiel ist Alphabet (Google), das im Rahmen der letzten Quartalsergebnisse einen Anstieg von 24% bei seinen Werbeeinnahmen vermeldete. Insgesamt erlöste Alphabet im letzten Quartal USD 28 Mrd. allein durch Werbeinnahmen. Dies ist bei einem Quartalsumsatz von USD 13 Mrd. mehr als das Doppelte, was Facebook an Werbeeinnahmen erwirtschaftete.

Ein letztes Beispiel ist Amazon, dessen Werbeeinnahmen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 129% auf USD 2,2 Mrd. gestiegen sind und damit Amazons am schnellsten wachsendes Segment war. Dies ist zwar nur ein Bruchteil dessen, was Facebook und Alphabet erlösen. Gleichwohl sieht Amazon, trotz des Duopols bestehend aus Google und Facebook, ein großes Potenzial in diesem Segment und möchte dieses weiter ausbauen. Gleichzeitig zeigt diese Entwicklung auf, dass im Werbebereich ein großes Wachstums- und Monetarisierungspotenzial existiert.

Ferner engagiert sich Facebook zunehmend im Bereich digitales Bezahlen. Zum einen besitzt Facebook zahlreiche Lizenzen (z. B. Nordamerika, EU), um im Bereich der Zahlungsabwicklung aufzutreten. Beispielsweise können in Brasilien Kunden bestimmter Banken ihre alltäglichen Bankgeschäfte über die Facebook-App abwickeln.

Zum anderen wurde zwecks Ausbau des Payment Dienstes der ehemalige Leiter von Paypal, David Marcus, engagiert. Zusätzlich dazu sei unter seiner Leitung im Mai 2018 ein Blockchain-Team gegründet worden, welches den Ausbau der Messenger-App vorantreiben soll. Zukünftig sollen Facebook-Nutzer über die App unter anderem Konzerttickets kaufen und Tische im Restaurant reservieren können. In begrenztem Maße ist das Shoppen über den Messenger und über Instagram (IG Shopping) bereits heute schon möglich.

Hinzu kommt, dass in Indien aktuell ein Pilotprojekt zur Nutzung von WhatsApp als Bezahlsystem läuft. Nach Angaben des Facebook-Managements im Earnings Call gab es hierzu ein sehr positives Feedback von den Nutzern. Laut Medien testen gerade eine Million Nutzer die entsprechende Funktion. Indien sei mit 230 Mio. Nutzern der aktuell größte WhatsApp-Markt. Ich vermute, dass WhatsApp in Zukunft ähnlich wie Tencents WePay aufgebaut werden könnte, wo Nutzer neben der Chat-Funktion unter anderem auch Shopping-Funktionen zur Verfügung stehen. Unter der Berücksichtigung des potenziellen Marktes für digitale Bezahlsysteme, deren Potenzial ich bereits im Rahmen meines Artikels zu Wirecard dargestellt hatte (hier geht es zu meinem Wirecard-Artikel), besteht auch in diesem Fall ein vielversprechender Wachstumsmarkt für Facebook.

In Bezug auf seine verschiedenen Anwendungen plant Facebook sein Ökosystem rundum WhatsApp und den Messenger weiter auszubauen. Hierzu zählen die Einführung von Inbox- und Newsfeed-Werbung im Messenger und Instagram sowie der Ausbau von Business Anwendungen stünden in den nächsten Jahren im Vordergrund.

Insbesondere bei Instagram sieht das Facebook-Management ein zunehmendes (Monetarisierungs-)Potenzial. Instagram habe aktuell mehr als eine Milliarde Nutzer. Mir persönlich ist aufgefallen, dass sich Instagram insbesondere unter Jugendlichen einer zunehmenden Beliebtheit erfreut. Im Rahmen von Instagram wurde vor kurzem IG TV gelauncht. Das Facebook-Management möchte in diesem Zusammenhang das Potenzial des mobilen Konsums ausschöpfen. Immer mehr Menschen würden Videos erstellen und gucken (siehe sog. „Influencer“), sodass das lineare TV zunehmend in den Hintergrund gerät. Laut eMarketer würde dieses Jahr ein Viertel der Weltbevölkerung Videos auf mobilen Anwendungen schauen. Facebook habe diesen Trend ebenfalls auf seinen diversen Anwendungen bemerkt. Hier könnte auch die Möglichkeit bestehen, innerhalb der Videos Werbung einzublenden und zu monetarisieren.

Weitere attraktive Investitionsfelder seien Augmented-/Virtual Reality und künstliche Intelligenz. Es handele sich hierbei in erster Linie um Zukunftsinvestitionen. In diesem Zusammenhang hatte Facebook in 2014 für USD 2,3 Mrd. den Virtual Reality-Brillenhersteller Oculus Rift aufgekauft. Mittlerweile können die Virtual Reality-Brillen namens Oculus Go für rund EUR 200 gekauft werden.

In Bezug auf den Geschäftskundenbereich wirbt Facebook unter anderem für seine E-Learning-Tools „Lernen mit Facebook“, wo Start-Up-Gründern verschiedene Onlinekurse und Tools zur Verfügung stehen. Auf der diesjährigen Cebit in Hannover hat Facebook insbesondere für diesen Bereich und für seine AR/VR-Brille Oculus Go geworben. Gleichwohl haben auf der Cebit auch andere Unternehmen die Möglichkeiten, welche Oculus Go bietet, für sich als Geschäftsmodell erkannt (z. B. Simulation einer Kreuzfahrt, Probefahrt eines Autos).

Der Facebook-Stand auf der Cebit 2018 in Hannover, Quelle: eigene Aufnahme

 

Ferner hätte Facebook aktuell mehr als drei Millionen Tester für WhatsApp Business. Hierbei handelt sich um eine WhatsApp-Lösung speziell für Unternehmen, um die Beziehungen zu den Kunden zu pflegen und eine offizielle WhatsApp-Präsenz zu schaffen.

Außerdem habe Facebook im Messenger sogenannte Messenger Bots eingeführt. Beispielsweise hätte das Unternehmen LEGO mithilfe der Bots mit zielgerichteter Werbung mehr Kunden erreichen und seinen Umsatz steigern können.

Darüber hinaus habe Instagram mittlerweile über 25 Millionen Business Profile und mehr als zwei Millionen Advertiser. Mithilfe der Instagram-Shopping-Lösung und der Verlinkung seiner Produkte hätte das deutsche Unternehmen DefShop 56% mehr Website-Besuche und 64% mehr Verkäufe generieren können. Der Online-Händler Overstock habe durch die Einblendung von Werbung in den Instagram-Stories und Verlinkung seiner Produkte seinen Umsatz erhöhen und seine Akquisitonskosten senken können.

Ferner haben Unternehmen mit „Facebook Jobs“ nun die Möglichkeit, auf Facebook für Personal zu werben. Interessierte Bewerber können sich direkt über Facebook für entsprechende Stellenangebote bewerben.

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7. Risiken

In meinen Augen existieren im Zusammenhang mit Facebook drei grundlegende Risiken. Der erste Risiko steht in Verbindung mit dem Schutz persönlicher Daten. Sollte nochmals solch ein Vorfall wie bei Cambridge Analytica auftreten, könnte dies insbesondere aus politischer Sicht schwerwiegende Folgen für Facebook und den Umgang mit Daten haben. Unter Umständen könnte das zu einer schwerwiegenden Rufschädigung und zur Abwanderung von Nutzern führen.

Gleichwohl ist an dieser Stelle nochmals hervorzuheben, dass Facebook in Bezug auf soziale Netzwerke mit seinen Anwendungen (Facebook, Messenger, Instagram, WhatsApp) nahezu ein Monopol besetzt. Insofern würde sich die Abwanderungsrate – analog zum Cambridge Analystica Fall – höchstwahrscheinlich in Grenzen halten.

Um die Gunst der Nutzer zurückzugewinnen wirbt Facebook aktuell in diversen Printmedien (z. B. in Deutschland) für einen zunehmenden Schutz der Privatsphäre und verspricht einen vertrauensvollen Umgang mit den Nutzerdaten verspricht.

Ein weiteres Risiko könnte das Auftreten einer Rezession und die damit in Verbindung stehende Kürzung der Werbebudgets von Unternehmen sein. Auf der anderen Seite wächst Facebooks Umsatz mit mehr als 30% im Jahr. Gleichzeitig befinden wir uns erst am Anfang der digitalen Transformation und technologischen Möglichkeiten. Hinzu kommt, dass Facebook weitere Monetarisierungspotenziale innerhalb seines Ökosystems identifiziert hat, sodass eine Rezession vermutlich das Wachstum verlangsamen, aber nicht stoppen würde.

Das dritte Risiko sind zunehmende Kosten in Verbindung mit dem Ziel, den Datenschutz zu erhöhen sowie Fake News und Hate Speech zu unterbinden. Hierzu zählen insbesondere die angekündigte Verdopplung der Mitarbeiterzahl sowie der Ausbau der technologischen Möglichkeiten mithilfe von künstlicher Intelligenz. Gleichwohl denke ich, dass dies lediglich eine Übergangsperiode darstellt. Wie Mark Zuckerberg im Earnings Call hervorgehoben hat, stehen insbesondere in den kommenden 18 Monaten wichtige Wahlen an, sodass sich Facebook in diesem Zusammenhang keine weitere Negativpresse erlauben möchte. Gleichzeitig betonte Mark Zuckerberg, dass Facebook bereits mithilfe von künstlicher Intelligenz Fake Accounts identifiziert und gesperrt hat. Ich vermute, dass die künstliche Intelligenz weiter ausgebaut und die Mitarbeiterzahl nach den kritischen 18 Monaten erneut gesenkt werden wird. Dadurch würden vermutlich auch die Kosten wieder sinken, sodass wiederum die Marge und die Gewinne steigen.

8. Fazit

„Investing in stocks is an art, not a science.“
– Peter Lynch

Wie Peter Lynch sagt, ist das Investieren an der Börse keine Wissenschaft, sondern vielmehr eine Kunst. Die Kunst besteht meines Erachtens darin, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Ich betrachte den Kurseinbruch bei Facebook als eine Überreaktion des Marktes. Auf den ersten Blick verbreitete sich Panik. Doch auf den zweiten Blick ist zu erkennen, dass die Wachstumsstory von Facebook – trotz gesenkter Prognosen – weiterhin intakt ist.

Mehr noch: ich betrachte Facebook aktuell als ein – um es nach den Worten von Warren Buffett auszudrücken – Value Investment. In meinen Augen handelt es sich um eine absolute Alpha Aktie und ist – sogar vor Apple (hier geht es zu meiner Apple-Analyse) – mein gegenwärtiger Top Pick.

Meine Hauptargumente hierfür habe ich im Rahmen dieses Beitrags im Detail erläutert. Um diese nochmals stichpunktartig zusammenzufassen:

  • Facebook ist von einem tiefen Burggraben umgeben und besetzt quasi eine Monopolstellung im Social-Media-Bereich mit seinen über 2,2 Mrd. Nutzern und seinem Ökosystem (Facebook, Messenger, WhatsApp, Instagram),
  • Facebook besitzt eine schuldenfreie Bilanz und hat nach Abzug seiner Verbindlichkeiten einen Cashbestand von rund USD 40 Mrd. (entspricht knapp 10% der Marktkapitalisierung),
  • Facebook besitzt im Markt- und Peer-Group-Vergleich eine überproportional hohe Profitabilität und einen hohen Cashflow,
  • Facebooks Bewertung ist im Markt- und Peer-Group-Vergleich attraktiv bewertet bei einem Umsatz- und Gewinnwachstum von rund 30% und einem KGV von knapp über 20,
  • Facebook ist in zahlreichen Zukunftsfeldern unterwegs und besitzt trotz seiner Größe weiterhin ein hohes Wachstumspotenzial im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung und 
  • Facebook hat im Rahmen seiner bestehenden Plattformen weiterhin ein großes Monetarisierungspotenzial.

Die im Earnings Call genannten Investitionen sollen meines Erachtens die Zukunftsfähigkeit von Facebook sicherstellen sowie Risiken vom Unternehmen und Anlegern abwenden. Ich vermute, dass diese Ankündigungen dazu dienen, (politischen) Druck von dem Unternehmen zu nehmen und guten Willen zu zeigen. Ferner vermute ich, dass, nachdem die kritische Zeitperiode mit den Wahlen vorüber ist, sich das Wachstum von Facebook erneut beschleunigen wird. Insofern sollte es sich um ein temporäres Ereignis handeln. Anleger sollten sich meines Erachtens von kurzfristigen Rücksetzern nicht verunsichern lassen. Des Weiteren vermute ich, dass das Facebook-Management bei der Prognose konservativ geschätzt hat, um Raum für positive Überraschungen zu lassen.

Ich habe Facebook sowohl im Wikifolio als auch in meinem persönlichen Depot übergewichtet. Außerdem rechne ich mit einem kurzfristigen Rebound auf über USD 180, da ich den Kursrücksetzer für eine Überreaktion halte. Hinzu kommt, dass die Aktie vor dem Hintergrund des starken Rücksetzers ein gutes Chancen-Risiko-Verhältnis aufweisen sollte. 

Abschließend denke ich, dass die Facebook-Story erst ganz am Anfang steht.

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Ich hoffe, dass dir der Artikel einen Mehrwert geboten hat und du etwas für deine eigenen Investments mitnehmen konntest. Viel Erfolg weiterhin!

Dynamische Grüße,

Güner Soysal, 03.08.2018
Founder & CEO, Investment Analyst (M.A.)

Quellen & Links

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Offenlegung von Interessenskonflikten: Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung direkt oder mittelbar Positionen in den erwähnten Wertpapieren: Facebook, Apple, Amazon, Google, Reliance Industries Limited, Wirecard,, Tencent, Alibaba. Der Autor beabsichtigt nicht innerhalb von 36 Stunden nach Veröffentlichung direkt oder mittelbar Transaktionen in den erwähnten Wertpapieren zu tätigen.

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