#6: Apple – warum die wertvollste Aktie der Welt für’n Appel und Ei zu haben ist

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1. Ausgangssituation

„Kurzfristig ist der Markt ein Schönheitswettbewerb,
langfristig ist er eine Waage.”
– W. Buffett

Was wäre zutreffender als das oben stehende Zitat von Warren Buffett, um – unabhängig von den letzten Börsenturbulenzen – die derzeitige Entwicklung der Apple Aktie zu beschreiben. Kurz vor den Kursturbulenzen, die von der Öffentlichkeit als „Mini-Crash“ bezeichnet wurden, haben Gerüchte diverser Medien und Analystenmeinungen die Apple Aktie gnadenlos heruntergeprügelt (wie auch schon vor dem vorherigen Quartalsbericht). Von seinem Hoch am 18.01.2018 von USD 179,26 sank die Aktie binnen zwei Wochen auf USD 150,55, was einem Rückgang von knapp 16% entspricht.

Kurzprofil Apple Inc., Stand: 12.02.2018, Quelle: www.morningstar.com, www.onvista.de

Allen Unkenrufen zum Trotz hat es Apple im letzten Quartal 2017 wieder einmal geschafft, sowohl die Umsatz- als auch die Gewinnprognosen zu übertreffen. Und trotzdem sackte die Apple Aktie am Tag nach der Veröffentlichung des Quartalsberichts ab, nachdem sie zunächst nachbörslich vom Minus ins Plus mit 3,5% gedreht hatte. Wieder einmal fanden Analysten und die Öffentlichkeit das Haar in der Suppe: einerseits sei der Ausblick „enttäuschend“. Andererseits sei der absolute Absatz von iPhones zurückgegangen. Die allgemeinen Börsenturbulenzen taten ihr übriges dazu.

Doch richten wir im Folgenden unseren Blick von der Anzeigetafel auf das Spielfeld mit ein paar allgemeinen Informationen zu Apple bevor wir uns an die Quartalszahlen, den Ausblick, potenzielle Risikofaktoren sowie die Bewertung der Apple Aktie setzen.

(Anmerkung: Apple bezeichnet das Quartal vom 1. Oktober 2017 bis 31. Dezember 2017 als das erste Quartal seines Geschäftsjahres 2018).

2. Einordnung von Apple Inc. im globalen (Aktien-)Marktumfeld

Laut der Global 500 Liste der Zeitschrift Fortune ist Apple gemessen am Umsatz eines der zehn größten Unternehmen der Welt mit einem Umsatz von rund USD 215 Mrd. im Geschäftsjahr 2016. Zum Vergleich: Amazon hat einen Umsatz von USD 136 Mrd. und damit rund 37% weniger als Apple. Auf Platz eins rangiert die Handelskette Walmart mit einem Umsatz von USD 486 Mrd. Die Plätze zwei bis vier besetzen die Chinesen. Mit Volkswagen befindet sich auch ein Dax-Konzern unter den Top 10 Unternehmen (siehe folgende Abbildung; hier).

Die größten Unternehmen nach Umsatz; Stand: 2016; Quelle: www.fortune.com

 

Apple ist laut einer Studie der Bank of America das Unternehmen mit dem größten Cash-Bestand. Der Cash-Bestand betrug während der Studie rund USD 261 Mrd. und damit mehr als der Jahresumsatz im Geschäftsjahr 2016 (USD 215 Mrd.). Laut Apple-Finanzchef Luca Maestri beträgt der aktuelle Cash-Bestand von Apple USD 269 Mrd. (hier). Zum Vergleich: der zweitplatzierte Microsoft besitzt mit USD 133 Mrd. ungefähr den halben Bargeldbestand (Stand: 2017; hier). Berkshire Hathaway ist nicht in der Liste erwähnt, aber besitzt ebenfalls um die USD 100 Mrd. Cash.

Unternehmen mit dem größten Cash-Bestand; Stand: 2017; Quelle: Bank of America

 

Apple ist laut Statista das nach Marktkapitalisierung wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt mit einem Börsenwert von USD 752 Mrd. Auf Platz zwei folgen Alphabet (= Google) und Microsoft mit einer Marktkapitalisierung von rund USD 580 Mrd. bzw. USD 508 Mrd. Der Marktwert dieser beiden Konzerne ist damit mehr als 20% geringer als der von Apple (Stand: 2017; hier).

Die größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung; Stand: 2017; Quelle: www. Statista.com

 

Gleichzeitig war Apple in 2016 das profitabelste Unternehmen der Welt mit einem Nettogewinn in Höhe von USD 46 Mrd. Dahinter folgen J.P. Morgan Chase und Berkshire Hathaway mit einem halb so großen Nettogewinn in Höhe von je rund USD 25 Mrd. (Stand: 2017; hier).

Ich denke, das reicht erst einmal um die Marktpositionierung und Größenordnung von Apple nachzuvollziehen. Schauen wir uns nun einmal die aktuellen Quartalszahlen von Apple an. (Ich muss zugeben, dass ich es bereits an dieser Stelle bereut habe, meine Apple-Position im Rahmen der letzten Börsenturbulenzen bei ca. USD 158 lediglich verdoppelt zu haben 🙂 )

3. Apple Inc.’s Quartalsbericht für das 1. Quartal 2018

Der Umsatz ist im Jahresvergleich um 13% auf USD 88 Mrd. im ersten Quartal 2018 von USD 78 Mrd. im ersten Quartal 2017 gewachsen. Hierbei gilt zu berücksichtigen, dass es für ein Unternehmen in Apples Größenordnung ein sensationelles Ergebnis ist, den Umsatz einfach mal um 13% zu steigern. Und dann soll noch jemand behaupten, dass Apple ein „Wachstumsproblem“ habe 🙂 Andere Unternehmen, die wir in dieser Größenordnung kennen, bezeichnen es als Erfolg, wenn sie es schaffen, ihre Umsätze aktuell um 2-3% pro Jahr zu steigern (z. B. PepsiCo, Nestle, Walmart, hier).

Gleichzeitig ist hervorzuheben, dass der Umsatz in jeder Absatzregion um mehr als 10% – in Japan sogar um 26% – gestiegen ist (s. Abbildung).

Apple’s Umsatzwachstum im Jahresvergleich; Stand: 1. Quartal 2018; Quelle: Apple Investor Relations

 

Das erste Haar in der Suppe laut Analysten war nun, dass der iPhone-Absatz im ersten Quartal 2018 um rund eine Million Geräte bzw. 1% zurückgegangen ist. Das ist richtig! Allerdings sind hierbei zwei Faktoren zu berücksichtigen: Zum einen fehlt der Hinweis, dass – wie CEO Tim Cook im Earnings Call erläutert hat – das Weihnachtsquartal diesmal mit 13 Wochen um eine Woche kürzer als das Vorjahresquartal war (hier). Wird die Absatzzahl auf 14 Wochen hochgerechnet, ergibt sich ein Geräteabsatz von rund 83 Mio. und damit 6% mehr als im Vorjahresquartal. Zum anderen kam das Flaggschiff iPhone X erst im November statt wie üblich im September auf den Markt. Das hat dazu geführt, dass viele Interessenten ihre Käufe aufgeschoben haben. Unter Berücksichtigung dieser beiden Faktoren und der Lieferverzögerungen von mehreren Wochen wäre es für Apple vermutlich ein Leichtes gewesen, die Absatzzahlen aus dem Vorjahr zu knacken.

Ferner hat Apple CEO Tim Cook im Earnings Call betont, dass das iPhone X einerseits das weltweit meistverkaufte Smartphone in dem Berichtsquartal gewesen sei. Andererseits sei das iPhone X seit dem Verkaufsstart in jeder Woche das meistverkaufte iPhone gewesen (hier). In diesem Zuge hat Apple im vorangegangenen Quartal mit insgesamt 77,3 Mio. verkauften iPhones die Pole Position zurückerobert und seinen größten Konkurrenten Samsung abgehängt. Samsung verkaufte insgesamt 74,1 Mio. Smartphones im selben Quartal (hier).

Der Apple-Umsatz ist – trotz des geringeren iPhone-Absatzes – im Vorjahresvergleich um 13% gestiegen. Dies ist einerseits auf den gestiegenen durchschnittlichen Verkaufspreis der Apple-Smartphones von USD 695 auf USD 796 zurückzuführen. Zum anderen ist an der unten stehenden Grafik zu erkennen, dass

  • der Umsatz mit iPads um 6% gestiegen ist (die Tatsache, dass auch hier die Absatzzahl um 1% gesunken ist, lässt darauf schließen, dass die treue Apple-Gefolgschaft überwiegend das teurere iPad Pro nachgefragt hat),
  • der Umsatz im Bereich „Services“ (z. B. App Store, iTunes, Apple Music, iCloud, AppleCare, Apple Pay) um 18% gewachsen ist sowie
  • der Umsatz im Bereich „Other Products“ (z. B. Apple TV, Apple Watch, AirPods, Beats) um Ganze 36% gestiegen ist.

Apple Produkte – Absatz- und Umsatzzahlen; Stand: 1. Quartal 2018; Quelle: Apple Investor Relations

 

Neben dem Umsatz ist auch der Quartalsgewinn im zweistelligen Bereich gestiegen. Er stieg im Jahresvergleich um 12% auf rund USD 20 Mrd. an. Damit hat Apple seinen eigenen Rekord aus dem Weihnachtsquartal 2015 mit USD 18,4 Mrd. gebrochen.

Apple Inc. Quartalsgewinn in 1Q 2018; Quelle: Apple Investor Relations

 

Ferner hat Apple in diesem Quartal einen freien Mittelzufluss in Höhe von USD 25,3 Mrd. generiert, was einem Anstieg von 7,2% im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht (Vorjahresquartal: USD 23,6 Mrd.). Anzumerken ist, dass Apple für die Quartalsdividende insgesamt USD 3,3 Mrd. ausgeschüttet hat. Das heißt im Umkehrschluss, dass Apple in der Lage ist, mit den freien Mittelzuflüssen aus diesem einen Quartal die Dividende für das gesamte Jahr auszuschütten -> USD 3,3 Mrd. multipliziert mit 4 ergibt in Summe USD 13,2 Mrd. Das ist gerade mal die Hälfte des Free Cashflow in diesem Quartal, sodass die andere Hälfte für Investitionen, Übernahmen und Aktienrückkäufe zur Verfügung steht (warum ich die Schulden nicht erwähne? dazu kommen wir noch 😉 ). Somit ist Apple eine wahre Geld-Druck-Maschine!

4. Apple Inc.’s Ausblick

Das zweite Haar in der Suppe laut Analysten: Apple rechnet für das angebrochene Quartal mit Erlösen in einer Spanne zwischen USD 60-62 Mrd. Das entspricht einem Wachstum im Vergleich zum Vorjahresquartal von 13-17%. Von Januar bis März 2017 hatte Apple einen Umsatz von rund USD 53 Mrd. verbucht. Analysten hatten eher mit USD 65 Mrd. gerechnet und finden diesen zweistelligen(!) Umsatzausblick „enttäuschend“(!).

Laut Finanzchef Luca Maestri wird auch der iPhone-Absatz im aktuellen Quartal im zweistelligen Prozentbereich wachsen. Und die Verkäufe des Geräts an Verbraucher würden noch schneller als im Weihnachtsgeschäft zulegen. Zugleich werde aber der durchschnittliche Verkaufspreis schneller abfallen als nach dem Weihnachtsquartal üblich.

Ferner haben CEO Tim Cook und Finanzchef Luca Maestri angekündigt, bei der Vorstellung der Ergebnisse für das zweite Quartal im April, auch ihre Pläne für den Umgang mit dem immensen Cash-Bestand von Apple bekannt zu geben. Sie haben in der Telefonkonferenz mit den Analysten bereits hervorgehoben, dass sie „cash neutral“ werden möchten, d. h. Schulden und Cash sollen ausgeglichen und die überschüssigen Mittel investiert werden. Die Vermutung liegt nahe, dass es eine kräftige Dividendensteigerung von mindestens 10% (von 2013 bis 2017 wurde sie im Schnitt um 10% erhöht), ein neues Aktienrückkaufprogramm und Übernahmen in den Bereichen Augmented Reality und Health geben wird. Allein in 2017 habe Apple 19 Firmen aufgekauft und man schaue sich aktuell nach potenziellen Übernahmekandidaten in allen Größenordnungen um (hier). Potenzielle Übernahmen werden das Wachstum von Apple zusätzlich forcieren.

5. Risikofaktoren und Bewertung der Apple Inc. Aktie 

Aus meinen Beobachtungen habe ich drei entscheidende Risikofaktoren und Kritikpunkte selektiert, die laut Öffentlichkeit hauptsächlich gegen ein Investment in Apple sprechen. Sie werden dir sicherlich bekannt vorkommen. Diese Risikofaktoren sind:

  1. Die Zinsen steigen, sodass die Attraktivität von Aktien als Kapitalanlage abnimmt.
  2. Apple ist von seinen Smartphones abhängig und wächst nicht mehr.
  3. Apple ist seit dem Verscheiden von Steve Jobs nicht mehr innovativ genug.

5. 1. Die Zinsen steigen, sodass die Attraktivität von Aktien als Kapitalanlage abnimmt

Die Öffentlichkeit sieht aktuell das größte Risiko für den Aktienmarkt in potenziell steigenden Zinsen. Gleichwohl ist zu berücksichtigen, dass die Zinsen nur erhöht werden können, wenn die Wirtschaft rund läuft und auch die Inflation steigt. Zinsen und Inflation sind also zwei Seiten einer Medaille. Frage: was ist der beste Schutz gegen eine moderat steigende Inflation? Antwort: Sachwerte, und dazu gehören nun mal, neben Gold und Immobilien, auch Aktien! Denn neben der Dividende und der Kurssteigerung bieten Unternehmen Inflationsschutz (wer Angst vor sehr starken Inflationssteigerungen hat, dem empfehle ich das Buch „Intelligent investieren“ von Benjamin Graham – dem Mentor von Warren Buffett – zu lesen).

Jedoch ist auch hierbei wichtig, auf gesunde und erfolgreiche Unternehmen zu setzen. Als ich mit einem Kumpel über die Apple-Aktie gesprochen habe, während ich an dieser Analyse saß, brachte er mich zufällig auf die Idee (ich gebe zu, ich habe ihn auch damit genervt und zum Kaufen überzeugt, und nicht nur ihn 🙂 ), mir die Präsentation des ersten iPhones durch Steve Jobs in 2007 anzuschauen. Was mir am Ende der Präsentation auffiel: das erste iPhone mit der größten Kapazität hatte 8 GB und kostete USD 599. Das iPhone X mit der höchsten Speicherkapazität (256 GB) kostet mittlerweile USD 1.149. Das heißt, dass sich der iPhone-Preis innerhalb der letzten 10 Jahre verdoppelt hat. Gleichzeitig ist der iPhone-Absatz in absoluten Zahlen trotzdem fast durchgehend gestiegen. Frage: Kann es einen besseren Schutz gegen eine moderat steigende Inflation geben als die Fähigkeit eines Unternehmens höhere Preise durchzusetzen und eine so starke Markenwahrnehmung zu besitzen, dass die Kunden (ich gebe zu, ich gehöre dazu 🙂 ), sogar bei Preiserhöhungen einem die Bude einrennen und die Produkte kaufen?

Die Befürchtungen von Analysten, dass steigende iPhone-Preise die Apple-Jünger abschrecken könnten, haben sich folglich als falsch erwiesen. Wie Investor-Legende Ken Fisher zu sagen pflegt: falsche Ängste sind immer ein Kaufsignal!

Und jetzt kommt das Sensationelle: wie bereits erwähnt, besitzt Apple den größten Cash-Bestand unter den Unternehmen. Apple hat derzeit liquide Mittel in Höhe von USD 269 Mrd. Werden sämtliche Finanzschulden abgezogen, resultiert ein Netto-Cashbestand in Höhe von USD 163 Mrd.! Wer Benjamin Graham’s Buch gelesen hat, der weiß, dass dies eines der Value-Kriterien par excellence ist! Vor dem Hintergrund steigender Zinsen, ist Apple im Hinblick eines enormen Cash-Bestand gepaart mit der Schuldenfreiheit, meines Erachtens eines der besten Investments im gegenwärtigen Marktumfeld.

Wird der Cashbestand in Relation zur Marktkapitalisierung gesetzt, entspricht das aktuell 20% der Marktkapitalisierung (USD 833 Mrd. Börsenwert vs. USD 163 Mrd. Cash.). Das heißt, dass wir als Aktionäre eigentlich beim Kauf einer Apple-Aktie direkt einen Rabatt von 20% bekommen, wenn wir uns das Geld auszahlen lassen würden, da uns dieses Geld nach Abzug der Finanzschulden zur Verfügung steht! Oder mit anderen Worten: jeder Anteil an Apple, den wir kaufen, ist mit 20% Bargeld unterlegt.

Festhalten, es kommt noch besser: Apple hat derzeit ein prognostiziertes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2018 von 13,7 (Stand: 12.02.2018). Damit rangiert Apple im Dow Jones – absteigend sortiert – auf Platz 21. Somit sind 2/3 der im Dow Jones gelisteten Unternehmen teurer als Apple. Zum Vergleich: der auf dem Operationstisch liegende Konzern General Electric hat ein KGV von 15, der erstplatzierte Visa sogar 27. Günstiger sind u. a. die vom Niedrigzinsumfeld geplagten Banken J.P. Morgan (12,8) und Goldman Sachs (11,9) sowie Intel (12,7), Verizon (11,1), IBM (10,9). Ferner ist das KGV von Apple günstiger als u. a. Netflix, Amazon (169), Facebook (24), Microsoft (25) und die Dax-Konzerne Adidas (22,6), SAP (19,1), Fresenius (17,8), Henkel (17,2) sowie die Luxusgüterkonzerne LVMH (24) und Kering (25,2) (Stand: 12.02.2018; Quelle: www.onvista.de). Unter der Berücksichtigung, dass 20% des Kurses mit Cash unterlegt ist, zahlen wir als Investoren eigentlich auch nur 80% des Kaufpreises. Dadurch wiederum ist das KGV um 20% günstiger und liegt bei sagenhaften 11!

Alle guten Dinge sind drei: die Gewinne werden dank der von Trump eingeführten Steuerreform um rund 11% steigen. Denn wie die Apple-Funktionäre im Earnings Call erwähnt haben, wird Apple’s Steuerlast ab dem angebrochenen Quartal von 26% auf 15% sinken. Dadurch würde sich das Apple-KGV nochmals um 11% auf knapp 10 verringern! Ja, wir zahlen für das größte, reichste und profitabelste Unternehmen der Welt ein KGV von sagenhaften 10 und das in einem der längsten Bullenmärkte, die die Welt je gesehen hat!

Wie Altmeister Kostolany gesagt hatte: an der Börse ist 2+2=5-1 {Anm. des Autors: oder manchmal ist 2+2=1+3}. Ich gehe davon aus, dass diese enorme Fehl- und Unterbewertung bald korrigiert wird. Daher habe ich meinen Apple-Bestand während den Kursturbulenzen verdoppelt und sie war die einzige Aktie, die ich in der Zeit nachgekauft habe. An dieser Stelle der Analyse war ich so begeistert, dass ich gleich nachgekauft habe.

Ich bin mir todsicher, dass Buffett ebenfalls nachgekauft hat. Und am 15. Februar 2018 kam auch schon die entsprechende Meldung, dass Buffett im letzten Quartal seine Apple-Position um 23%(!) auf rund 165 Mio. Aktien aufgestockt hat und, dass Apple in Buffett’s Depot nun die größte Position einnimmt (hier)!

Angenommen, wir würden nun den Cashbestand und die Finanzschulden miteinander verrechnen. Dann würde sich die Bilanz von USD 406 Mrd. auf ca. USD 300 Mrd. verkürzen. Die Cash-Position würde infolgedessen 55% der Vermögenswerte ausmachen. Nochmal: das heißt, dass 55% der Vermögenswerte von Apple aus Cash bestehen würden!

Ich achte in der Bilanz insbesondere auch auf den Goodwill und immaterielle Vermögenswerte. Denn meines Erachtens sind das keine „harten Vermögenswerte“, die man direkt in Cash umtauschen oder deren Wert real messen könnte. Es kommt nicht selten vor, dass aufgrund von sogenannten Wertberichtigungen sich diese Positionen „in Luft auflösen“. In der Bilanz von Apple würden die Positionen „Goodwill“, „immaterielle Vermögenswerte“ (z. B. Patente, Lizenzen etc.) sowie „sonstige Vermögenswerte“ zusammengerechnet hingegen gerade einmal 7% der Vermögenswerte ausmachen. Somit sind in dieser Hinsicht meins Erachtens keine bösen Überraschungen zu erwarten (s. folgende Abbildung).

 

Apple’s Bilanzpositionen per 31.12.2017; Quelle: Apple Investor Relations

 

Ferner hat Finanzchef Maestri im Earnings Call angesprochen, dass vom aktuell laufenden Aktienrückkaufprogramm in Höhe von USD 210 Mrd. mittlerweile USD 176 Mrd. ausgegeben wurden, sodass noch USD 34 Mrd. übrig sind. Die Anzahl der im Streubesitz befindlichen Aktien ist in diesem Zuge von 6,6 Mrd. in 2012 um 20% auf 5,3 Mrd. in 2017 gesunken. Das Aktienrückkaufprogramm wird sehr wahrscheinlich nochmals aufgestockt. Dadurch wird eine höhere Nachfrage nach Apple-Aktien erzeugt, aber gleichzeitig sinkt das Angebot. Zusätzlich steigt der Gewinn je Aktie zum einen durch das sinkende Angebot und zum anderen durch die parallel wachsenden Gewinne von Apple, sodass die Anteilsscheine noch wertvoller werden. Hinzu kommt noch Buffett als Langfrist-Investor, der die Apple-Aktien am Markt aufsaugt und das Angebot zusätzlich reduziert. All diese Faktoren werden meines Erachtens zu einer wahren Kursexplosion führen!  

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Altmeister Buffett hinter dem formulierten Ziel steckt, „cash neutral“ zu werden. Es wäre nicht das erste mal in seiner Karriere, dass er das Management zum Ausschütten oder Investieren der überschüssigen Mittel bewegt.

Außerdem hat Apple einen hohen und seit Jahren steigenden Free Cashflow, sodass das Unternehmen nicht auf den Cash-Bestand angewiesen ist. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) von Apple liegt aktuell bei 13,2 und ist damit besser als zum Beispiel bei der Allianz mit einem KCV 15,9 (die ja nach dem Geschäftsmodell als Versicherer stetige Cashflows hat) oder Konsumgüterhersteller wie Procter & Gamble (15,5), Coca-Cola (21,8) und Nestlé (18,3).

In Bezug auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung habe ich der Einfachheit halber nachfolgend einen Screenshot von Morningstar eingefügt. Wie zu erkennen ist, wächst der Umsatz seit 2008 bis 2017 im Durchschnitt pro Jahr um 22% und der Gewinn um 26%. Die Nettogewinnmarge ist kontinuierlich von 15% in 2008 auf mittlerweile 21% gestiegen. Das heißt, dass Apple an jedem umgesetzten Euro 21 Cent verdient. Zum Vergleich: BMW hatte im letzten Jahr eine Nettomarge von 7,3%, Henkel 11%, SAP 16,5%, Google-Mutter Alphabet 11,4%, Coca-Cola 15,6% (hier).

Apple Inc. Erfolgskennzahlen, Stand: 12.02.2018, Quelle: www.morningstar.com

 

Unterstellen wir nun in einem Worst-Case-Szenario, dass die Gewinne in den nächsten fünf Jahren lediglich um 10% statt wie aktuell um mehr als 20% steigen. Dann würde das KGV nach fünf Jahren – ausgehend von einem KGV von 13,7 – bei 8,9 liegen. Das niedrigste KGV von Apple in den vergangenen fünf Jahren lag bei 11,9. Das heißt, um diese Lücke zu schließen, ergibt sich für die Aktie selbst in einem konservativen Szenario ein Kurspotenzial (ohne die Dividende) von 34% in 5 Jahren (11,9 – 8,9 = 3; 3/8,9 = 0,34). Bei einem Ausgangs-KGV von 10, d. h. abzüglich des Cash-Bestands und der Berücksichtigung der Steuerreform, ist das Renditepotenzial sogar noch höher.

Hände hoch, wer daran glaubt, dass er eine Rendite von 34% mit Zinsen in den nächsten fünf Jahren realisieren kann? Ich nicht! Das würde nämlich bedeuten, dass ich pro Jahr ca. 7% an Zinsen bekomme. Aktuell rentieren 30-jährige US-Treasuries bei nicht einmal 3% p. a. Außerdem sind unsere Politiker gerade dabei, den persönlichen Steuersatz auf Zinserträge anzusetzen. Das heißt, ich müsste sogar knapp 14% Zinserträge p. a. generieren, um eine vergleichbare Rendite zu erwirtschaften (bei einem knapp 50%-igen Steuersatz). Aktuell ist dies sehr schwer vorstellbar.

Im Folgenden ist der 10-Jahres-Chart der Apple-Aktie abgebildet. Die ersten 800% habe ich leider verpasst, da ich zu spät mit dem Investieren angefangen habe. Allerdings denke ich erst gar nicht daran, die nächsten Kurszuwächse zu verpassen:

Apple Inc. 10-Jahres-Chart, Stand: 12.02.2018, Quelle: www.onvista.de 

 

5. 2. Apple ist zu stark von seinem Smartphone-Geschäft abhängig und wächst nicht mehr

Entgegen dieser öffentlichen Wahrnehmung sagen die Daten und Fakten das Gegenteil. Apple baut seinen Marktanteil im Smartphone-Geschäft stetig aus und gewinnt Marktanteile. Laut der Marktforschungsfirma Strategy Analytics hat Apple im letzten Quartal erstmals mehr Umsatz mit dem Verkauf von Smartphones erzielt als alle anderen Hersteller zusammengerechnet. Der Gesamtumsatz der Branche stieg im Weihnachtsgeschäft 2017 auf eine neue Rekordsumme in Höhe von 120 Milliarden Dollar, wovon Apple allein USD 61,4 Mrd. und damit mehr als 50% Umsatzanteil erwirtschaftet hat (hier). Ferner hat die solide Nachfrage des teuren iPhone X dazu beigetragen, dass der Durchschnittspreis eines iPhones nun bei knapp USD 800 liegt und damit fast um das Dreifache höher als der Branchenschnitt ist (s. nachfolgende Abbildung).

Smartphones: Apple macht mehr Umsatz als alle anderen Hersteller zusammen, Quelle: Strategy Analytics

 

Laut Apple CEO Tim Cook sind aktuell 1,3 Milliarden Apple-Geräte im Einsatz. Vor zwei Jahren waren es noch eine Milliarde (hier). Unter der Berücksichtigung der Weltbevölkerung von 7,4 Mrd. hat vereinfacht gesagt jeder fünfte auf diesem Planeten ein Apple-Gerät und das mit wachsender Tendenz. Beispielsweise hat Apple in Indien, wo 1,3 Mrd. Menschen leben, für sein iPhone einen Marktanteil von gerade einmal 0,9%, sodass hier noch ausreichend Wachstumsmöglichkeiten bestehen. Zum Vergleich: Konkurrent Samsung besitzt einen Marktanteil von 24% (hier). Erst 300 Millionen der rund 1,3 Milliarden der indischen Bevölkerung besitzen ein Smartphone. Auch Tim Cook sieht Indien als aussichtsreichen Zukunftsmarkt, sodass Apple in 2017 dort eine Produktionsstätte errichten ließ und das im Vergleich preiswertere iPhone SE auf den Markt gebracht hat (hier). Laut Studien kosten in Indien die beliebtesten Smartphones USD 150 oder weniger. Gleichzeitig stellt der indische Smartphone-Markt ein riesiges Wachstums-Potential dar – nicht nur, weil Apple mit einem so geringen Marktanteil so viel Luft nach oben hat. Sondern auch, weil der Gesamtmarkt mit 21,4% Wachstum aktuell boomt, während das globale Wachstum sich in den letzten Jahren deutlich verlangsamt hat. Um davon zu profitieren, müsste Apple den Teil der Inder, die sich ein Smartphone für mehrere hundert Euro leisten können, wohl davon überzeugen, auch so viel für ein Mobiltelefon auszugeben oder stärker auf Ratenzahlungs-Angebote setzen (hier). Da vor allem in Schwellenländern die Konsumfinanzierung über Verschuldung läuft und insbesondere moderne Payment Dienste (z. B. Wirecard) stark wachsen, sollte das Angebot an zusätzlichen Finanzierungsangeboten (z. B. Apple Pay) die Nachfrage nochmals stützen.

Der Bereich Services erwirtschaftet mittlerweile einen Umsatz von USD 8,5 Mrd. und macht damit mehr Umsatz als die iPads (USD 5,9 Mrd.) und Macs (USD 6,9 Mrd.). CEO Tim Cook hat im Earnings Call das Ziel ausgesprochen, den Umsatz in diesem Segment bis 2020 zu verdoppeln (hier). Analysten gehen davon aus, dass der Umsatz in diesem Bereich bis 2020 sogar auf USD 50 Mrd. ansteigen könnte (hier).

Apple hat nach eigenen Angaben im Bereich Services die Marke von 240 Millionen Kunden geknackt (hier). Zum Vergleich: Netflix hat aktuell 217 Millionen Abonnenten bei einem für 2018 prognostizierten KGV von über 100. Hinzu kommt, dass Netflix mit seinem Streaming-Dienst in 2016 einen Umsatz von rund USD 9 Mrd. erzielt hat (2017 voraussichtlich USD 11,7 Mrd.), was Apple alleine mit seinem Services-Geschäft schafft und das in einem einzigen Quartal! Ich denke, allein dieser Vergleich zeigt die aktuelle Verzerrung in der Bewertung einiger Aktien auf. Außerdem ist Apple ebenfalls gerade dabei, eine eigene Streaming-Sparte mit eigenem Content aufzubauen. In diesem Zusammenhang hat Apple zwei Sony-Manager abgeworben, die u. a. für die prämierten Serien „Breaking Bad“ und „Better Caul Saul“ verantwortlich waren und investiert mehrere Milliarden in den Aufbau seiner Streaming-Sparte (hier).

Ein brillantes Beispiel für Apple’s Ökosystem ist das iCloud-Angebot. Während jeder Apple-Besitzer 5GB-Cloud-Volumen umsonst bekommt, kann das Cloud-Volumen für lediglich EUR 0,99 pro Monat auf 50GB upgegradet werden (bzw. 200GB für EUR 2,99 und 2TB für EUR 9,99). Angenommen, die 240 Mio. Kunden im Services-Bereich nutzen das günstigste Angebot für EUR 0,99. Dann ergibt sich ein monatlicher Umsatz von knapp EUR 240 Mio. und ein Jahresumsatz von knapp EUR 3 Mrd. für Apple. Angenommen Apple erhöht in einem Jahr die Preise für die Cloud um EUR 1 (Stichwort: Inflation), was werden die Kunden denken? Sie werden sich auf der einen Seite sicher etwas ärgern, aber trotzdem bereit sein die EUR 1,99 zu zahlen, da auf der anderen Seite ihre ganzen Urlaubs- und Familienfotos, Videos, Playlists und Kontakte auf der iCloud gespeichert sind und es wahrscheinlich viel zu umständlich wäre, alle Dateien zu transferieren. Gleichzeitig würde sich der Umsatz von Apple auf fast EUR 6 Mrd. pro Jahr verdoppeln! Das Gleiche Beispiel kann auch für Apple Music oder Apple TV genutzt werden.

Unter den Musikstreaming-Anbietern ist Apple laut dem Wall Street Journal kurz davor, den Weltmarktführer Spotify hinsichtlich der Abonnentenzahl in den USA zu überholen. Die Zahl der Nutzer mit einer kostenpflichtigen Mitgliedschaft (ab USD 10 pro Monat) steigt bei Apple Music demnach um monatlich durchschnittlich 5%, während Spotify 2% im Monat zulegen kann. Sollte das Wachstum so weitergehen, könnte Apple Music Spotify im Sommer 2018 ein- bzw. überholen. Weltweit liegt Apple Music allerdings noch signifikant hinter dem schwedischen Konkurrenten. Laut jüngsten Zahlen hat Apple Music weltweit insgesamt 36 Mio. zahlende Abonnenten. Das entspricht einem Plus von 6 Mio. seit September 2017, als der Konzern von 30 Mio. zahlenden Abonnenten berichtete. Spotify teilte im Januar mit, es habe mittlerweile weltweit 70 Millionen zahlende Nutzer, also gut die doppelte Abonnentenzahl. Werden allerdings Nutzer mitgezählt, die sich noch in der kostenlosen, dreimonatigen Probephase befinden oder eine stark reduzierte Anfangsmitgliedschaft abgeschlossen haben, soll Apple bereits leicht vor Spotify liegen (hier).

Des Weiteren nannte Apple keine genauen Zahlen für die Umsätze im Apple App Store, aber laut Aussagen des Finanzchefs sollen diese fast doppelt so hoch wie die Umsätze des Google Play Store sein (hier).

Auch in Bezug auf die Apple Watch wurden weiterhin keine Absatzzahlen genannt. Gleichwohl sei der Umsatzsprung von 36% auf rund USD 5,5 Mrd. in der Sparte „Other Products“ primär auf die Apple Watch zurückzuführen. Laut Schätzungen von Strategy Analytics hat Apple im letzten Quartal 3,5 Mio. seiner smarten Uhren verkauft und ist damit weltweiter Wearables-Marktführer. Damit habe Apple den chinesischen Smartphone-Spezialisten Xiaomi überholt, der auf 3,4 Mio. abgesetzte Fitness-Bänder kam. Der Branchenvorreiter und frühere Wearables-Marktführer Fitbit habe 2,9 Mio. seiner Fitness-Bänder und Sportuhren verkauft (hier). Laut dem Analysehaus IDC soll Apple im aktuellen Geschäfsquartal sogar mengenmäßig mehr Uhren als die Schweizer Uhrenindustrie verkauft haben (hier). Damit wäre Apple, gemessen an den Absatzzahlen, der größte Uhrenhersteller und -verkäufer der Welt (hier). Die Vermutung liegt nahe, dass der Marktanteil der Apple Watch insbesondere durch die LTE-Fähigkeit gestiegen ist (hier). Nach Informationen des Analyse-Hauses Canalys hat Apple den Smartwatch-Absatz in 2017 um 54% steigern können. Somit wären im Gesamtjahr rund 18 Mio. Watches verkauft worden (hier).

Die Apple Watch ist auch auf meiner Wunschliste auf dem ersten Platz und ich sehe immer mehr Menschen aus meinem Umfeld die Apple Watch tragen. Vor allem scheint sie als Weihnachtsgeschenk sehr beliebt gewesen zu sein (hier). Meine persönliche Annahme ist, dass die Apple Watch in Zukunft das Smartphone ersetzen könnte. Zum einen ist sie mittlerweile LTE-fähig. Zum anderen nähert sie sich preislich an das iPhone an. Der Preis für die Apple Watch startet bei EUR 369 bzw. für die LTE-Version bei EUR 449. Darüber hinaus könnte ich mir vorstellen, dass aufgrund der fortschreitenden Entwicklung im Bereich Augmented Reality Menschen zukünftig in der Lage sein werden, mittels Hologramme ihren Gesprächspartner über die Apple Watch zu sehen (ähnlich zur Videotelefonie) und beispielsweise gegen andere im Park Pokemon Go zu spielen. Was heute wie reine Zukunftsfantasie klingt, wurde in Teilen vom CEO Tim Cook auf dem iPhone X Launch Event vorgeführt. Hinzu kommt, dass das Tragen der Apple Watch am Handgelenk angenehmer und sicherer ist, als das Smartphone in der Hosen- oder Jackentasche aufzubewahren (allein schon aufgrund der Verlust- und Diebstahlgefahr).

In diesem Zusammenhang hat Tim Cook im Earnings Call erneut hervorgehoben, dass er ein großer Fan von Augmented Reality ist (hier). Insofern liegt die Vermutung nahe, dass es in diesem oder im Health Care Bereich zu Zukäufen kommen kann.

Tim Cook kündigte in der Telefonkonferenz mit den Analysten ferner an, dass der Bezahldienst Apple Pay aktuell in 20 Ländern verfügbar ist (u. a. den USA, China, Frankreich, Dänemark, VAE) und demnächst in Brasilien eingeführt wird (hier). Mehr als die Hälfte der amerikanischen Einzelhändler bieten mittlerweile Apple Pay als Bezahllösung an und das Transaktionsvolumen hat sich innerhalb eines Jahres weltweit verdreifacht. Im Dezember 2017 wurde ferner Apple Pay Cash eingeführt, was schnelle und unkomplizierte Überweisungen zwischen Familienmitgliedern, Freunden etc. ermöglicht (hier). Wenn man sich vor Augen führt, dass aktuell weltweit 1,3 Mrd. Apple-Geräte im Einsatz sind (Tendenz steigend) und annimmt, dass Apple bei jeder Apple Pay Transaktion 1% verdienen würde, kann man sich ausrechnen, wieviel Potenzial in Apple Pay steckt. Wenn ich die Möglichkeit hätte, in Deutschland Apple Pay zu nutzen, würde ich beispielsweise kein Bargeld und keine Kreditkarte mehr mitnehmen, da mein iPhone (bzw. meine Apple Watch) sowieso immer bei mir ist und ich ganz bequem damit bezahlen könnte.

Zusätzliches Wachstum verspricht der HomePod, welcher am 9. Februar 2018 auf den Markt kam und USD 350 bzw. EUR 370 kostet. Außerdem soll demnächst auch ein günstigeres HomePod Mini in der Preisklasse USD 150-200 auf den Markt kommen.

Ferner schafft es Apple immer mehr Firmenkunden für seine Produkte zu begeistern. Beispielsweise setzt das traditionsreiche US-Unternehmen General Electric auf Apple Produkte und kooperiert im Bereich „Internet der Dinge“ mit Apple (hier). Ebenfalls setzen deutsche Unternehmen, u. a. die Deutsche Bank, auf iPhones als Diensthandys (hier). Zusätzlich wurde erst vor kurzem eine Kooperation zwischen Apple, der Allianz, Cisco und Aon abgeschlossen, um Geschäftskunden Dienstleistungen im Bereich Cyber-Security anzubieten. Somit ist Apple nicht nur im Konsumgüterbereich, sondern auch als Anbieter im Business-Sektor zu betrachten, der auch dort immer mehr Marktanteile erobert.

5. 3. Apple bringt seit dem Verscheiden von Steve Jobs keine bahnbrechenden Innovationen mehr auf den Markt

Apple steht fortlaufend in der Kritik, seit dem Verscheiden von Steve Jobs keine innovativen Produkte mehr auf den Markt zu bringen. Hierbei gilt es drei Dinge zu berücksichtigen. Erstens gibt es beispielsweise bei jedem neuen iPhone-Modell innovative Neuerungen wie Face-ID, kabelloses Laden oder hochwertige Kameras. Hinzu kommen mehr Speicherkapazitäten, längere Akkulaufzeiten und höhere Performance-Leistungen. Erwähnenswert ist, dass eigentlich der Markt diese Punkte nicht mehr als innovativ ansieht, weil wir uns an diese ständigen Upgrades gewöhnt haben und diese selbstverständlich für uns geworden sind.

Zweitens betrachten betrachten Apple-Kunden die Produkte als „Gebrauchsgüter“ und als Ausdruck ihres Lifestyles, während die Öffentlichkeit das iPhone einzig und allein als „Luxusgut“ und „Statussymbol“ ansieht. Die treuen Apple-Kunden sind bereit, regelmäßig ihre Produkte upzugraden, sodass sie nach 1-2 Jahren ihre Geräte gegen neuere Modelle austauschen. Das sorgt für ständigen Einnahmefluss. Hinzu kommt, dass Nutzer, die sich ein Apple-Produkt kaufen (z. B. iPhone), in der Regel weitere Apple-Produkte zulegen (z. B. Macbook, Apple Watch, Apple TV).  

Drittens muss Apple auch gar nicht die Welt neu erschaffen, um Wachstumspotenziale zu schöpfen. Denn Apple hat ein Ökosystem aufgebaut, das sich immer weiter ausdehnt und seine Kunden wie eine Tentakel umklammert. Einmal im Apple-Ökosystem „gefangen“, ist es schwierig, dort wieder herauszukommen, wie wir im vorangegangenen Abschnitt gesehen haben. 

6. Fazit

“Es war eine ideale Zeit für Anleger: Ein Klima der Angst ist der beste Freund für Investoren. Diejenigen, die nur investieren, wenn die Analysten optimistisch sind, zahlen am Ende einen hohen Preis dafür.”
– W. Buffett

In Zeiten der Unsicherheit und steigender Zinsen nimmt Value Investment einen besonderen Stellenwert ein. Wenn wir uns bei unseren Investments nur an den Analystenmeinungen orientieren, werden wir zum Spielball von Mr. Market. Unser Ziel als aktive Investoren muss es vielmehr sein, die Alphas zu identifizieren und Mr. Market zu überlisten. 

Vor diesem Hintergrund ist Apple aufgrund des enormen Cash-Bestands, der Markenpositionierung, der Profitabilität, der Preissetzungsmacht und des etablierten Ökosystem meines Erachtens eines der besten Investments. Selbst wenn Apple so dreist ist, die Preise für seine Produkte und Services zu erhöhen, tragen seine Anhänger dazu bei, neue Umsatz- und Gewinnrekorde aufzustellen. Hinzu kommt, dass Apple mehr als ausreichende Wachstumspotenziale durch neue Produkte, die Ausweitung des Services-Geschäfts, die Ausdehnung auf neue Märkte und Akquisitionen besitzt.

Zum einen hat der teilweise überhitzte Markt durch die Kursturbulenzen etwas Druck abgelassen. Es herrscht wieder etwas Angst und Skepsis am Markt. Zum anderen klettern die Kurse genau an dieser „Wall of Worry“ schon wieder langsam aber sicher empor. Daher habe ich den Moment als günstig empfunden und – im Geiste Buffett’s Worte “be fearful when others are greedy and greedy when others are fearful” wie ein Gebet aufsagend – bei Apple zugeschlagen, bevor alle aufwachen und sich der Optimismus wieder breit macht. Ich habe meinen Bestand während der Kursturbulenzen am 08.02.2018 zum Kurs von rund USD 158 mehr als verdoppelt. Apple ist nun gemeinsam mit Shell die größte Position in meinem Depot.

Eine altes Sprichwort besagt: „erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“. Im Leben gibt es für nichts eine Garantie. Und, wie Buffet sagt „kaufe nie eine Aktie, wenn du nicht damit leben kannst, dass sich der Kurs halbiert.“ Gleichwohl haben wir als Apple-Aktionäre mit Warren Buffett die beste Versicherung an Bord, die man sich als (Value-) Investor wünschen kann, der sogar zu den aktuellen Kursen parallel seinen Bestand an Apple-Aktien aufstockt. Entweder ist der Markt sehr intelligent (der Marktkonsens liegt selten richtig, wie Ken Fisher zu sagen pflegt) oder Buffett ist total übergeschnappt, sich derart mit Apple-Aktien einzudecken. An dieser Stelle gilt es noch darauf hinzuweisen, dass Buffett während der Dotcom-Blase belächelt wurde, dass er nicht in Technologie-Aktien investiert hat. Wir wissen, wie die Dotcom-Blase am Ende ausgegangen ist. Umso erstaunlicher ist es, dass er mitten in einem der längsten Bullenmärkte der Börsengeschichte ein Technologieunternehmen zu seinem größten Investment avanciert.

Abrunden möchte ich diese Analyse mit einem Zitat, das ich vor kurzem auf einem Vortrag gehört habe und das mir sehr gut gefallen hat:

„You can lead a horse to water but you can’t make it drink.“

Mir hat das Verfassen dieser Kurzanalyse sehr viel Spaß gemacht! Ich hoffe, du hattest auch Spaß beim Lesen und ich konnte dir einen Mehrwert für deine Investments bieten. Viel Erfolg weiterhin!

Dynamische Grüße,

Güner Soysal, 17.02.2018
Founder & CEO, Investment Analyst (M.A.)

PS: Der Apple Kurs ist von seinem Intraday-Tief USD 150,55 vom Freitag vor einer Woche (09.02.2018) auf aktuell USD 172,43 (Schlusskurs am 16.02.2018) gestiegen und hat die Kursverluste nahezu komplett wettgemacht. Das entspricht einem Kurszuwachs von knapp 15% in einer Woche und bestätigt meine Annahme, dass dieser Kursrückgang – insbesondere für die Apple-Aktie – ein Kaufsignal war.

Investor update 28.02.2018: nach nicht einmal drei Wochen hat es die Apple-Aktie vom Tief bei $150,55 auf ein neues all time high bei $181,61 geschafft, was einer Rendite von 20,6% entspricht.  

Sämtliche Inhalte nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr für Aktualität, Richtigkeit, Vollständigkeit und Genauigkeit. Die Kolumne dient nur der Information und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der erwähnten Wertpapiere dar. Der Autor haftet nicht für materielle und/oder immaterielle Schäden, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der Inhalte oder durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Inhalte verursacht wurden.

Offenlegung von Interessenskonflikten: Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung direkt oder mittelbar Positionen in den erwähnten Wertpapieren: Apple. Der Autor beabsichtigt, innerhalb von 36 Stunden nach Veröffentlichung direkt oder mittelbar Transaktionen in den erwähnten Wertpapieren zu tätigen.

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