#10: Freenet – Meine Takeaways von der Hauptversammlung vom 17.05.2018

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Wie ich bereits in meiner Marktanalyse vom 12.05.2018 – Animal Spirits, Ahoi! angekündigt hatte, habe ich letzte Woche die Hauptversammlung der Freenet AG besucht. Im Folgenden möchte ich dir die Highlights, Ausschnitte aus meiner Rede sowie meine Takeaways darstellen.

1. Die Vorbereitungen laufen

Es war ungefähr viertel vor zehn am Morgen, als ich meine Notizen einpackte und das Hotel verließ, um mich auf den Weg zur Hauptversammlung im Messe Center in Hamburg zu machen. Glücklicherweise hatte ich nur wenige Minuten Fußweg, sodass ich kurz vor Beginn eintraf.

Eingang zur Freenet-HV am 17.05.2018

Als ich meinen Weg in Richtung Konferenzraum bahnte, sah ich eine große Menschenmenge, die sich am Essen und an den Werbegeschenken bediente (ich kann bestätigen, dass die Klischees stimmen).

Da ich noch eine Rede halten wollte, suchte ich zuerst den Wortmeldetisch auf, um mich anzumelden. Ich war bemüht totale Souveränität bei völliger Ahnungslosigkeit auszustrahlen. Ich glaube, dass ich etwas verpeilt gewirkt habe, aber die Anmeldung war schon mal von Erfolg gekrönt.

Gleichzeitig war ich erleichtert, dass sich noch andere Redner angemeldet hatten, sodass ich mich schon mal mental auf meine erste Rede auf meiner ersten HV vorbereiten konnte. 

Bevor die HV begann, suchte ich Herrn Marc Tüngler, Mitglied des Aufsichtsrats und Hauptgeschäftsführer des DSW – Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. auf, da ich ihn aus einem der sozialen Netzwerke kannte und die Gelegenheit nutzen wollte, ihn auch mal persönlich kennenzulernen (ein sehr angenehmer und positiver Mensch!). Ich ging auf das Podium zu und stellte mich vor. Als er dann auf mich zukam, stand auf einmal der Freenet-CEO Herr Christoph Vilanek vor mir und sprach mich an: „Herr Soysal, ich habe ihren Artikel gelesen“. Natürlich war ich total überrascht und das machte es mit der Aufregung nicht gerade besser. Ich fragte mich, wie er an den Artikel kam, als er direkt nachlegte „Marc Tüngler hat mir von ihrem Artikel erzählt.“

In diesem Moment wurde mir noch einmal bewusst, welch große Verantwortung ein Blog mit sich bringt und welche Kreise er erreichen kann. Gleichzeitig war ich natürlich total happy über die Tatsache, dass Herr Vilanek meinen Artikel gelesen hatte. Ich hatte ihm gesagt, dass ich mich für eine Rede angemeldet habe, woraufhin er erwiderte, dass er es bereits gesehen hat. In diesem Zuge hatte ich ihm gegenüber schon mal angekündigt, dass ich sowohl positive Seiten als auch die Herausforderungen ansprechen werde, was er vollkommen ok fand (fand ich persönlich sehr cool von ihm!).

Das alles machte einen sehr positiven Eindruck auf mich, sodass ich mich von Anfang an sehr wohl gefühlt habe. Nach einem sehr kurzen Austausch ging jeder wieder an seinen Platz und die Hauptversammlung begann.

2. Die Hauptversammlung beginnt

Zuerst berichteten der Aufsichtsrat und der Vorstand über die Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahres (bei Interesse siehe Freenet Geschäftsbericht 2017).

Außerdem wurde die Erweiterung des Vorstands der Freenet AG um einen Vorstand „Customer Experience“, Herrn Antonius Fromme und um einen Vorstand „Partnermanagement“, Herrn Rickmann von Platen verkündet.

Des Weiteren wurde bekanntgegeben, dass der Anteil an der Exaring AG für weitere EUR 25 Millionen von 25% auf 50% aufgestockt wurde (betrifft IPTV alias waipu.tv). Ferner sei der Vorstand offen für weitere Übernahmen.

Danach bekam als erstes der Vorsitzende des Vereins der Freenet-Aktionäre das Wort (ja, dieser Verein war mir auch komplett neu), gefolgt von Vertretern des DSW und der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK).

Eine unterhaltsame Situation entstand, als der Vorsitzende des Vereins der Freenet-Aktionäre versuchte, den Aufsichtsrat und den Vorstand zum Kauf der Freenet-Aktie und zur zehnten Dividendenerhöhung im kommenden Jahr zu animieren.

Freenet-Hauptversammlung vom 17.05.2018

 

Darüber hinaus hatte ich den Eindruck, dass die Goldman Sachs-Analyse für ziemliche Beunruhigung unter den Aktionären gesorgt hatte, sodass der CEO Herr Vilanek Stellung dazu nehmen musste und versuchte, die Gemüter der Aktionäre zu beruhigen (einer der Aktionäre hatte ihm einen Artikel zur Goldman Sachs-Analyse übergeben und um Stellungnahme gebeten).

Was mir bei den Beiträgen meiner Vorredner auffiel war, dass sich vieles um die Dividende und die Verschuldung von Freenet drehte. Ich muss zugeben, dass ich darüber etwas verwundert war, aber führte das in erster Linie darauf zurück, dass Freenet eine ordentliche Dividende zahlte und dies wahrscheinlich einer der Hauptgründe für ein Freenet-Investment war.

Gleichzeitig wurde mir klar, dass die Sichtweisen der Analysten und der Aktionäre und Aktionärsvertreter meilenweit auseinander lagen. Beispielsweise fokussieren sich Analysten vielmehr auf Ergebniskennzahlen, Margen und Wachstum.

Beide Sichtweisen unterschieden sich aber auch ziemlich von meinem eigenen Blickwinkel und meinen Notizen, wie ich im Folgenden noch aufzeigen werde. Denn meiner Meinung nach bot Freenet viel mehr Gesprächsstoff als primär Dividenden und Verschuldung.

Ferner wurde mir klar, dass der Vorstand eines Unternehmens generell vor der Herausforderung steht, die Interessen sämtlicher Stakeholder (Aktionäre, Analysten, Investoren, Mitarbeiter etc.) unter einen Hut zu bringen. Diese verschiedenen Blickwinkel hautnah mitzubekommen war für mich eine sehr interessante Erfahrung.

Was ich mir allerdings bei der Präsentation des Vorstands gewünscht hätte, wäre ein stärkerer Fokus auf die Zukunftsaussichten und -strategie, d. h. was sind die nächsten Schritte, wie geht es weiter und welche Wachstumsziele verfolgt Freenet. Auch seitens der Aktionäre, so war mein Eindruck, lag der Fokus eher auf der Dividende. Klar, Freenet ist eine Cashcow, aber damit die Dividende auch die nächsten zehn Jahre konstant erhöht und ausgeschüttet werden kann, braucht es nachhaltiges Wachstum.

Schließlich wurde mein Name aufgerufen und ich machte mich auf den Weg zum Rednerpult. Nachdem ich kurz um Verzeihung bat, falls ich etwas aufgeregt sein sollte, da es meine erste Rede auf einer HV und vor solch einer großen Menschenmenge war (der Raum war voll!), legte ich los.

Zum Einen hatte ich Fragen zum Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zwischen der Freenet AG und der mobilcom-debitel Logistik GmbH, welcher seitens der Aktionäre abgesegnet werden sollte.

Zum anderen hatte ich mir eine Reihe von allgemeinen Punkten zu Freenet notiert, welche ich ansprechen wollte. Im Folgenden möchte ich dir stichpunktartig Ausschnitte aus meiner Rede und, falls vorhanden, die entsprechenden Rückmeldungen des Vorstands – nach bestem Wissen und Gewissen – präsentieren.

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3. Ausschnitte aus meiner Rede 

Ich hatte diesen Teil meiner Rede in drei Teile aufgeteilt: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Teil 1: Vergangenheit – welche Entwicklungen gab es bei Freenet?

Freenet wird zwar aufgrund aufgrund des „krisensicheren“ Geschäftsmodells und der üppigen Dividendenrendite in erster Linie als eine „Cashcow“ betrachtet, aber als Aktionär und Anteilseigner liegt mir der Unternehmenserfolg selbstverständlich ganz besonders am Herzen.

Bei meinen Vorbereitungen auf diese HV hatte ich zunächst ein paar Fragen an den Vorstand vorbereitet. Aber ich habe mir überlegt, diese Fragen nicht zu stellen, da sich der Vorstand dieser Punkte höchstwahrscheinlich bewusst ist und der Blick in die Vergangenheit uns nicht voranbringen würde. Meine Fragen waren zum Beispiel:

  • Warum steckt der Freenet-Aktienkurs seit drei Jahren in einer Seitwärtsrange zwischen 24€ – 32€ fest und wieso sind die Marktteilnehmer, insbesondere seit Jahresanfang, so pessimistisch gegenüber Freenet eingestellt?
  • Warum hat das Konzernergebnis in den vergangenen fünf Jahren geschwankt und welche Ideen hat der Vorstand, um in Zukunft konstantes und nachhaltiges Wachstum zu schaffen?
  • Warum ist der Marktanteil von Freenet auf dem Mobilfunkmarkt im Vergleich zum Vorjahr von 12,1% auf 11,8% gesunken, während die Konkurrenz ihren Marktanteil ausgebaut hat (z. B. 1&1 Drillisch von 6,5% auf 6,8%)? Welche Gegenmaßnahmen plant der Vorstand?
  • Welche Maßnahmen plant der Vorstand gegen die seit einigen Quartalen anhaltende abnehmende Kundenzahl im Prepaid- und No-Frills-Bereich, da dadurch auch der Bruttokundenbestand weiter sinkt?
  • Warum ist der Umsatz im TV-Geschäft im 1Q 2018 im Vergleich zum 1Q 2017 gesunken?
  • Warum sind der operative und der Free Cashflow – sowohl im Geschäftsjahr 2017 als auch im 1Q 2018 im Vergleich zur Vorperiode – gesunken?
  • Welchen Beitrag leisten die einzelnen Gesellschaften zum Konzernergebnis (insbesondere die aus dem Mobilfunkbereich)? Und welcher Bereich arbeitet am profitabelsten? Welchen Beitrag leistet z.B. der Strom und Gasvertrieb?
  • Warum sind die Mitarbeiterkosten gestiegen, obwohl die Mitarbeiterzahl abgenommen hat?
  • Welche zusätzlichen Werttreiber besitzt Freenet, welche an der Börse aktuell noch nicht eingepreist sind?

Teil 2: Gegenwart – wo steht Freenet aktuell?

Mein Eindruck ist, dass Freenet aktuell ein Mauerblümchendasein fristet und gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen geraten ist. Dies ist meines Erachtens auch an der Aktienkursentwicklung von Freenet festzustellen.

Gleichwohl schlummert meiner Meinung nach ein immenses Potenzial in Freenet, das wir zum Leben erwecken sollten. Mit „wir“ meine ich in dem Fall den Aufsichtsrat, den Vorstand und die Aktionäre.

Ich bin der Meinung, dass Freenet in Zukunft erneut zur Beauty Queen avancieren kann.

Gleichzeitig sehe ich die Möglichkeit einer Kursverdopplung (u. a. ist die Konkurrenz doppelt so hoch bewertet wie Freenet bei niedrigeren Erfolgskennzahlen).

Wie das funktionieren soll?

Hierfür habe ich angenommen, dass der Vorstand auf mich zukommen und ich ihn beraten würde. Das heißt, was würde ich tun, um das Wachstum anzukurbeln. In diesem Zusammenhang habe ich einen Action Plan bestehend aus vier Punkten vorbereitet.

Teil 3: Mein Vier-Punkte-Action Plan – „Make Freenet sexy again“

 

Punkt 1: Forcierung des Wachstums im TV-Geschäft am Beispiel von Rockefeller

Potenziell größtes und schnellstes Wachstum liegt im TV-Geschäft; wie ist Rockefeller, der erste Milliardär der Weltgeschichte, zum Reichtum gekommen? Mit einer simplen und gleichzeitig brillanten Idee: er hat Öllampen verschenkt und hat den Leuten dann Öl verkauft! Was ist Freenet’s Öllampe? Richtig, TV-Boxen und TV-Zubehör!

Meine Vorschläge:

  • TV-Boxen bei Abo-Abschluss verschenken, den Absatz forcieren und die Kunden in das Freenet-Ökosystem hineinziehen, bevor es die Konkurrenz macht
  • Kooperationen mit Platzhirschen, wie z. B. mit Netflix und Amazon ersuchen
  • Zukunft liegt m. E. im IPTV, wo Holographie und 3D möglich ist, z. B. existiert wohl eine Netflix Virtual Reality-App, die man mit Oculus Go nutzen kann; Fokus auf IPTV setzen, da Markt im DVB-T2 HD begrenzt ist
  • (was mir im Nachgang eingefallen ist: vielleicht könnten Kooperationen mit Musik-Streaming-Anbietern abgeschlossen werden, z. B. Spotify, Pandora, Amazon Music, Apple Music)

(Rückmeldung des Vorstands: man hat in der Vergangenheit verschiedene Kampagnen umgesetzt, wo kostenloses bzw. ermäßigtes TV-Zubehör in Kooperation mit Partnern angeboten wurde. Im IPTV-Bereich wurde die Beteiligung an der Exaring AG von 25% auf 50% erhöht. Darüber hinaus ist der Vorstand auch auf Netflix zugegangen, was jedoch dankend abgelehnt wurde, da Netflix selbst Investitionen in Höhe von USD 10 Milliarden in das TV-Geschäft plant.) 

Punkt 2: Überarbeitung des Markenportfolios mit kompakten und zielgruppen-orientierten Tarifen 

Wenn ich mir die Konzernstruktur anschaue, dann sehe ich die folgenden Gesellschaften im Mobilfunk-Bereich (siehe auch folgende Abbildung):

  • Callmobile GmbH,
  • Klarmobil GmbH,
  • (diverse) Freenet GmbH,
  • Mobilcom-debitel GmbH und
  • Mobinio (laut Geschäftsbericht eine neue Marke, die zur Klarmobil GmbH gehört)

Wesentliche Konzerngesellschaften der Freenet AG zum 31. Dezember 2017

 

Hier frage ich mich, warum solch ein großes Markenportfolio existiert und wie der Vorstand und die Mitarbeiter einen Überblick über die verschiedenen Marken haben können. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Struktur:

  • hohe Kosten verursacht (z. B. Geschäftsführer, Mitarbeiter, Miete), um die verschiedenen Gesellschaften zu unterhalten,
  • Verwaltungs-technisch aufwendig ist (z. B. eine Vielzahl von Verträgen erfassen und abwickeln, IT-Systeme) und
  • die Ressourcen ineffizient eingesetzt werden.

Die Konkurrenz hat in der Regel zwei Marken – eine Hauptmarke und eine Discountmarke (z. B. die Telekom mit T-Mobile als Hauptmarke und mit Congstar als Discountmarke, Telefonica Deutschland mit O2 als Hauptmarke und Blau als Discountmarke). 

Meine Vorschläge:

  • Freenet (mobile) als Hauptmarke und zusätzlich eine Discountmarke; warum ausgerechnet Freenet? Freenet symobilisiert für mich die Werte der heutigen Jugend, d. h. Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstbestimmtheit, Selbstverwirklichung.
  • Dadurch besserer Fokus auf die Zielgruppe und deren Bedürfnisse, zielgerichtete Kundenakquise, größere Marge im Mobilfunkbereich.
  • Unrentable Marken/Mobilfunkbereiche abstoßen oder konsolidieren.
  • Marken-Refreshing: das kleine f in ein großes F, strahlt Selbstbewusstsein aus, mögen wie kleine Dinge erscheinen, aber ich finde sie entfalten eine große Wirkung.

(Rückmeldung des Vorstands: die Markenlandschaft und Gesellschaftsstruktur sei historisch gewachsen. Es wurde bereits in der Vergangenheit eine Konsolidierung ausprobiert, aber vereinzelt sind Kunden abgesprungen, weil sie den Anbieter nicht wechseln wollten, sodass man von dieser Vorgehensweise weggegangen sei. Die Verwaltung für das Markenportfolio würde von einem Team bestehend aus 15 Köpfen übernommen. Das Tarifangebot von Mobinio sei nur für eine bestimmte Plattform angedacht. Es werden keine Zahlen zu einzelnen Gesellschaften veröffentlicht, aber alle seien Ebitda und Free Cashflow positiv.)

Punkt 3: Mobilcom-Debitel-Shops mit Gravis-Shops ersetzen und überschüssiges Budget in Online-Marketing investieren

Ich habe die Shops besucht, da ich, wenn möglich, gerne die Produkte meiner Investments teste und sie mir aus der Nähe anschaue. Denn, wenn sie mir gefallen, dürften sie sicherlich auch jemand anderem gefallen. Ich muss zugeben, dass ich bis dahin noch nie einen mobilcom-debitel-Shop oder Gravis-Shop besucht hatte.

Meine Feststellungen:

  • von Gravis sehr positiv überrascht; eher kleiner Laden, aber viel Kundschaft; viel Bewegung; Schlange vor der Kasse; mehrere junge, dynamische und freundliche Mitarbeiter, die alle beschäftigt waren; ich hatte das Gefühl, dass der Shop lebendig ist.
  • Als ich die mobilcom-debitel-Filiale besucht habe, hatte ich eher das gegenteilige Empfinden; keine bis wenig Kundschaft, ich war der Einzige im Laden, bis nach ein paar Minuten ein anderer Kunde kam.

Meine Vorschläge:

  • Freenet möchte ein Digital-Lifestyle-Provider sein; mobilcom-debitel klingt für mich altmodisch, unmodern und analog; ich würde die mobilcom-debitel-Filialen mit Gravis-Shops ersetzen, in Städten, wo es Gravis noch nicht gibt.
  • mit dem eingesparten Geld durch die Schließung von mobilcom-debitel-Filialen würde ich im digitalen Zeitalter den Vertrieb über das Internet forcieren; ich vermute, dass dies Kosten sparen und effizienter sein wird, da junge Menschen heutzutage bevorzugt im Internet surfen und Angebote raussuchen.
  • mit Media Markt Saturn existiert bereits ein starker lokaler Vertriebskanal mit hohem Kundenaufkommen.
  • zusätzlich in Supermärkte, wo hohe Kundschaft anzutreffen ist (z. B. Lidl, Rewe); im Gegensatz zur Konkurrenz kein (Prepaid-) Angebot von Freenet (was mich verwunderte), einführen.

(Rückmeldung des Vorstands: Die mobilcom-debitel-Filialen hätten in der Regel eine hohe Kundenfrequenz.)

Punkt 4: Aktienrückkaufprogramm implementieren

  • Die Stimmung gegenüber Freenet ist momentan sehr pessimistisch und die zuvor genannten Maßnahmen sollten in erheblichem Maße wertsteigernd wirken, daher hätte Freenet jetzt die Gelegenheit, die eigenen Aktien günstig zurückzukaufen.
  • Die Bewertung von Freenet ist im Peer-Group- und Marktvergleich sehr günstig (u. a. arbeitet Freenet profitabel, hat einen positiven Cashflow und eine Dividendenrendite von 7%!).
  • Historisch günstiges Zinsumfeld, jetzt der richtige Zeitpunkt zum Verschulden und mit Hebel Wachstum zu finanzieren, um in Zukunft die niedrigen Zinsen mit diesem Wachstum abzubezahlen.
  • In 2017 hat Freenet EUR 40 Millionen Zinsen gegenüber EUR 200 Millionen Dividende gezahlt, d. h. mehr als das Fünffache!
  • Generierung von Shareholder Value, da weniger Anteile am Markt und der Wert pro Anteile steigt.
  • Möglichkeit durch Aktienrückkaufprogramm Gewinn- und Kurswachstum besser zu steuern.
  • Verschuldung sollte keine Probleme darstellen, da Freenet gesunden Cashflow besitzt und im Extremfall ist immer noch eine Kapitalerhöhung in der Zukunft möglich bzw. die Beteiligung an Sunrise kann veräußert werden.
  • Verschuldungsquote würde trotz kreditfinanziertem Aktienrückkaufprogramm immer noch im Rahmen des Zielkorridors des Management liegen (= 1,0-2,5 des Ebitda).
  • Free Cashflow (ohne Sunrise) aktuell ziemlich ausgereizt mit 70%; der vom Vorstand festgelegte Zielkorridor für die Dividendenausschüttung liegt bei 50-75% des Free Cashflow.
  • Freenet refinanziert sich aktuell mit Zinssätzen zwischen 1,4-1,65% p. a.; die Dividendenrendite liegt nach dem Dividendenabschlag bei 7%; das ergibt eine Differenz von ca. 5% p. a.; bei einem Aktienrückkaufprogramm in Höhe von EUR 300 Mio. (entspricht 10% der Marktkapitalisierung) wären das pro Jahr EUR 15 Mio. Dividendenersparnis, ergo in zehn Jahren in Summe EUR 150 Millionen, d. h. die Hälfte des Darlehensbetrags würde Freenet allein durch Dividendenersparnisse refinanzieren können.

Meines Erachtens ist die Dividende viel zu hoch für die aktuelle Bewertung und das gegenwärtige Marktumfeld. Das Wachstum lässt zwar aktuell zu wünschen übrig, aber es sieht gegenwärtig einfach nach einer krassen Marktverzerrung aus und Freenet wird – analog zu Apple mit dem iPhone vor ein paar Wochen – schon fast dem Untergang geweiht. Die Marktkapitalisierung des profitabel wirtschaftenden Unternehmens liegt bei ca. EUR 3 Milliarden bei einem Umsatz von über 3,5 Milliarden.

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4. Fragen von eurer Seite an den Vorstand

Am Ende meiner Rede habe ich die folgenden beiden Fragen, welche über verschiedene Kanäle von eurer Seite an mich herangetragen wurden, beim Vorstand platziert:

1. Welches Potenzial sieht der Vorstand im TV-Geschäft, insbesondere:

  • im SAT TV, welcher den größten Marktanteil in Deutschland hat und laut verschiedenen Quellen ab 2022 kostenpflichtig werden soll sowie
  • in Verbindung mit der Übernahme von Unitymedia durch Vodafone und der dadurch zunehmenden Konkurrenz?

(Rückmeldung des Vorstands: es würden in Deutschland rund 15 Millionen SAT TV-Haushalte existieren, wovon aktuell knapp 2,5 Millionen Haushalte SAT TV in HD-Qualität nutzen. Freenet will 1,2 Millionen zahlende Kunden für dieses Jahr gewinnen. Langfristig sollen 25% des Umsatzes aus dem TV-Geschäft generiert werden. Aktuell liegt der Umsatz des Freenet-Konzerns bei rund EUR 3,5 Milliarden. Ferner würde die Übernahme von Unitymedia durch Vodafone quasi ein Kabelmonopol in Deutschland erzeugen; hier sei noch unklar, ob diese Übernahme von den verschiedenen Gremien genehmigt würde.)

2. Welche strategischen Absichten verfolgt Freenet mit der Beteiligung an Sunrise, insbesondere:

  • diente diese Beteiligung der Abwehr einer potenziellen Übernahme und
  • warum wurde stattdessen kein Aktienrückkaufprogramm ins Leben gerufen?

(Rückmeldung des Vorstands: die Finanzbeteiligung an Sunrise öffnet verschiedene Optionen: die Anteile können mit Gewinn verkauft werden, die Beteiligung kann aufgestockt werden oder es können weiterhin Dividenden von Sunrise kassiert werden. Laut einer Studie hätte Sunrise das beste Mobilfunknetz auf der Welt. Darüber hinaus wäre auch eine Konsolidierung im Schweizer Telekom-Markt vorstellbar, wovon auch Freenet mit seiner Beteiligung an Sunrise profitieren könnte.)

5. Feedback zu meiner Rede

Zum einen hatte ich den Eindruck, dass meine Rede sehr positiv vom Aufsichtsrat, dem Vorstand und den Aktionärinnen und Aktionären aufgenommen wurde. Zum anderen hatte ich das Gefühl, dass der Vorstand sehr offen und dankbar für Anregungen war. Gleichzeitig hatte ich das Vergnügen eine Reihe von Freenet-Mitarbeitern persönlich kennenzulernen, was mich sehr gefreut hat.

Zum anderen wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass es in einem Aktienforum bereits Feedback zu meiner Rede gibt. Es ist in der Tat interessant, was man so über seinen Auftritt liest und wie man auf seine Mitmenschen wirkt (siehe folgende Abbildung).

Feedback von der Freenet HV am 17.05.2018; Quelle: Forum Finanzen.net

6. Fazit

Ich finde, dass es wichtig ist, die Unternehmen zu kennen, in die man investiert. Auf dem Börsentag in Frankfurt dachte ein Referent, ich wäre Freenet-Mitarbeiter, weil ich das Potenzial von IPTV angesprochen hatte. Auf der Hauptversammlung meinte der Freenet-CEO Herr Vilanek, er hätte das Gefühl, ich würde bei den Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen mitlauschen. Vielleicht sollte ich mich nicht mehr so intensiv mit den Unternehmen auseinandersetzen oder es ist schon längst der Zeitpunkt gekommen, an dem ich ein eigenes Unternehmen auf die Beine stellen und mich darauf fokussieren sollte.

Ich habe nach der HV meine Freenet-Position aufgestockt (zum vorerst letzten Mal), weil ich mit positiven Überraschungen rechne. Die Tatsache, dass der CFO Joachim Preisig nach dem Dividendenabschlag Freenet-Aktien gekauft hat, ist schon mal ein Statement, was meine Annahme untermauern könnte. Hinzu kommt, dass eine Vielzahl der von mir thematisierten Punkte bereits in Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen besprochen wurden, was mich positiv stimmt. Wenn Herr Vilanek dann noch Recht behält, dass ich ein erfolgreicher „Spekulant“ sei (wobei ich mich selbst eher als langfristig orientierten Value-Investor sehe), dann stehen die Chancen doch gar nicht mal so schlecht für das Eintreffen meiner Annahmen.

Gleichwohl werde ich die nächsten Schritte und die weitere Entwicklung bis Ende des Jahres sehr eng beobachten. Sollten meine Annahmen zur weiteren Geschäftsentwicklung, die ich in meinen ersten beiden Freenet-Analysen und nach der HV getroffen habe (hier und hier) nicht eintreffen, dann sehe ich mich gezwungen, meine Freenet-Position sukzessive abzubauen.

Unabhängig davon, wie sich der Aktienkurs verhält, hatte ich das Gefühl, dass Freenet in sicheren Händen ist und der Vorstand sehr offen für Ideen sowie engagiert und motiviert ist. Darüber hinaus hat Freenet sehr coole Mitarbeiter und ich wünsche Ihnen in Zukunft nur das Beste.

Sofern du die Möglichkeit hast, würde ich dir empfehlen, auf die Hauptversammlungen der Unternehmen zu gehen und deine Investments aus der Nähe kennenzulernen. Das wird dich zu einem besseren Investor (und besseren Geschäftsmann) machen. Nicht umsonst sagt Buffett:

“Ich bin ein besserer Investor, weil ich Geschäftsmann bin
und ein besserer Geschäftsmann, weil ich Investor bin.”
– W. Buffett

Das Zitat von Buffett kann ich nach meiner ersten Hauptversammlung definitiv bestätigen. Es war eine tolle Erfahrung!

Über zwei Dinge bin ich jedoch ein wenig betrübt: ich habe nichts zu essen und keine Werbegeschenke bekommen, da ich so fokussiert auf die Reden war. Über das Buffet kann ich also leider nicht berichten. Aber da die Stehtische im Foyer voll besetzt waren, nehme ich an, dass das Essen sehr gut war. Nur zu einem Glas Wasser hat es am Ende gereicht. Das war ja aber auch nicht der Fokus meines HV-Besuches. Bei aller „Gier“, welche die Natur des Investors mit sich bringt, ist es meines Erachtens auch wichtig, Bescheidenheit zu wahren und bei Bedarf seine persönlichen Bedürfnisse zurückzustellen.

Abschließend möchte ich mich noch ganz herzlich bei Herrn Marc Tüngler, Mitglied des Aufsichtsrats und Hauptgeschäftsführer des DSW, bedanken, der mir mit seiner Anwesenheit eine immense positive Energie gegeben hatte als ich am Rednerpult stand und meine Punkte präsentierte (an einem Punkt dachte ich, ich werde sicher gleich rausgeschmissen, aber als ich sein Lächeln und Kopfnicken sah, spürte ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin und führte meinen Vortrag fort).

So, als nächstes geht es bei mir im Juni mit Wirecard zum nächsten Digital-Lifestyle-Provider, diesmal im Payment Bereich. Ich freue mich sehr darauf!

Ich wünsche dir spannende Hauptversammlungen und ein dividendenreiches erstes Halbjahr 2018.

PS: I love this job!

Dynamische Grüße,

Güner Soysal, 21.05.2018
Founder & CEO, Investment Analyst (M.A.)

 

Quellen & Links

Sämtliche Inhalte nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr für Aktualität, Richtigkeit, Vollständigkeit und Genauigkeit. Die Kolumne dient nur der Information und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der erwähnten Wertpapiere dar. Der Autor haftet nicht für materielle und/oder immaterielle Schäden, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der Inhalte oder durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Inhalte verursacht wurden.

Offenlegung von Interessenskonflikten: Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung direkt oder mittelbar Positionen in den erwähnten Wertpapieren: Freenet, Wirecard, Apple. Der Autor beabsichtigt nicht, innerhalb von 36 Stunden nach Veröffentlichung direkt oder mittelbar Transaktionen in den erwähnten Wertpapieren zu tätigen.

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