Wikifolio Depot-Check 2019 – Wenn das Wikifolio eine Fußballmannschaft wäre

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An Tagen wie zuletzt, wo die Börse Trübsal bläst und man nicht das Bedürfnis hat, ins Depot zu gucken, weil das Belohnungssystem im Gehirn nicht stimuliert wird, ist es von Vorteil, sich mit anderen Dingen abzulenken.

Warren Buffett empfiehlt in so einem Fall spazieren zu gehen.

Mir selbst kam diesmal ein anderer Gedanke.

Investieren ist eine Kunst: Ein Fondsmanager strebt danach, die beste Konstellation für sein Portfolio zu kreieren. Statistik-Fans schauen sich wohl in erster Linie Korrelationskoeffizienten zwischen verschiedenen Aktien, Sektoren und Asset-Klassen an.

Analog können auch die Berufe eines Kochs oder eines Regisseurs als Beispiel genommen werden. Der Koch sucht die perfekte Mischung der Zutaten für sein Gericht. Er schmeckt sein Gericht ab und manchmal fehlt etwas Salz oder Zucker und er muss dann die entsprechenden Zutaten dazugeben.

Der Regisseur will das perfekte Licht für seine Dreharbeiten. Manchmal wird die Szene etwas aufgehellt oder abgedunkelt oder es werden Special Effects eingebaut, um die Szene noch beeindruckender für den Zuschauer zu gestalten.

Ich mache das ähnlich, nur mit dem Unterschied, dass ich kein Statistik- (und wie ich bereits erwähnte) kein Mathe-Fan bin. Vielmehr nutze ich hierfür das Instrument der Beobachtung. Wie reagiert welche(r) Aktie/Sektor/Asset-Klasse bei jenem Ereignis (etwas vereinfacht dargestellt natürlich)?

An einem dieser Tage kam mir in den Sinn, wie ich denn meine Aktien aufstellen würde, wenn mein Wikifolio eine Fußballmannschaft wäre. Als passionierter Fußball-, Fifa-Manager- und Börsenfan hat sich sicherlich jeder schon mal diese Gedanken gemacht.

Also habe ich einfach mal meine „Wikifolio-Aufstellung“ erstellt (als Galatasaray-Fan habe ich logischerweise die Gala-Trikots benutzt) :

Real Financial Dynamics-Wikifolio als Fußballmannschaft; Quelle: Footballuser

 

Johnson&Johnson ist als Vertreter aus dem traditionell defensiven Konsumgüter- und Pharmasektor sowie mit einer ansehnlichen Dividendenrendite im Tor. Gleichzeitig wirkt der Doppelname fast schon wie ein Keeper mit Tentakelarmen unüberwindbar. Hier musste ich an den mexikanischen WM-Keeper Guillerme Ochoa denken, über den Scherze gemacht wurden, dass er sechs Finger hätte, da er beeindruckende Reflexe zeigte. Wobei Olli „Titan“ Kahn wohl ein besserer Vergleich für ein Dickschiff wie Johnson&Johnson wäre. Auf Platz zwei folgt dann wohl Pfizer als Pendant zu Jens Lehmann, die ewige Nummer zwei hinter Olli Kahn.

In der Verteidigung sind die beiden Felsen in der Brandung Visa und Mastercard, die auch an volatilen Tagen üblicherweise geringe Verluste einfahren und auf die man an guten Tagen ebenso zählen kann. Sie wachsen beständig. Auf diese beiden Werte ist Verlass. Sie erinnern mich an das italienische Innenverteidiger-Duo Fabio Cannavaro und Alesandro Nesta.

Als Rechtsverteidiger sehe ich Apple. Apple erinnert mich an die brasilianische Fußballerlegende Cafú. Er war zwar nie der schnellste und dynamischste Spieler, aber hatte immer einen Trick auf Lager und sein Zug nach vorne war kreativ und effizient. Ähnlich wie Apple mit dem enormen Cash-Bestand, dem Aktienrückkaufprogramm in Höhe von über $100 Mrd. sowie dem Ausbau des Service-Geschäfts, was den Umsatz und den Cashflow in Zukunft – unabhängig vom Hardware-Geschäft – steigern sollte. Gleichzeitig führt Apple als wertvollstes Unternehmen der Welt nach Marktkapitalisierung und unverzichtbarer Global Player im Konsumgütersektor das Team als Kapitän an (ähnlich wie Cafú seinerzeit).

Als Linksverteidiger habe ich Alphabet gewählt. Alphabet ist ähnlich wie Apple aktuell nicht sehr dynamisch und hat im Gegensatz zu Apple nicht so viele Tricks auf Lager, aber auch Alphabet zeichnet sich durch Zuverlässigkeit und nachhaltiges, solides Wachstum aus. Alphabet ist gereift und hat eine dominante, unumstrittene Marktstellung in seinem Business. Zusätzlich hat Alphabet sogar noch ein paar Asse im Ärmel (z. B. Cloud, Waymo, Wing, Nest, Fiber). Wenn ich einen Spieler für Alphabet wählen würde, wäre dies der Italiener Paolo Maldini, der sowohl als Linksverteidiger, aber bei Bedarf auch als Joker in der Innenverteidigung einsetzbar war.

Vor der Abwehr im defensiven Mittelfeld steht Disney. Disney ist ebenfalls keine dynamische Aktie, aber ein stabiler und solider Player mit einem extremen Burggraben, der seine Wirkung auch an schwachen Tagen entfaltet. Beobachtern der Disney-Aktie ist dies sicherlich aufgefallen. Gleichzeitig gibt es Tage, an denen Disney einen überproportionalen Beitrag zur Performance leistet, wie zum Beispiel nach der Ankündigung des Streaming-Services Disney+, wo Disney aus einer monatelangen Seitwärts-Range ausgebrochen ist. Beim Fußball erinnert mich Disney an den französischen defensiven Mittelfeldspieler Patrick Vieira.

Kommen wir nun zum Mittelfeld. Im Mittelfeld als die beiden Spielgestalter und Box-to-Box-Player habe ich mich für Amazon und Microsoft entschieden. Beide sind sehr diversifiziert aufgestellt, wachsen solide und nachhaltig, sind nicht gerade günstig, aber Spielmacher haben nunmal ihren Preis. Hinzu kommt, dass sie mit ihrem diversifizierten Geschäftsmodell vielseitig aufgestellt sind und ihre Cashflows als Zeichen ihrer Ausdauer und Robustheit stark wachsen (insbesondere die Cashflows im Cloud-Geschäft).  An schlechten Börsentagen bleiben sie in der Regel standhaft und liefern üblicherweise eine solide Performance. Tja, welche beiden Spieler würde ich für diese beiden Aktien wählen? Ich würde mal auf Barcelonas Traumduo im Mittelfeld Xavi und Iniesta tippen.

Auf den Flügelpositionen sind mit Shopify und Twilio zwei junge, aber flinke und sehr kreative Player aufgestellt. Sie haben meistens eine dynamische Entwicklung, neigen aber auch mal zu größeren Korrekturen. Sie müssen zwar beide noch reifen und eine dominante, unumstrittene Stellung in ihren Segmenten erreichen, aber erfreuen sich großer Beliebtheit unter den Anlegern sowie ihren Kunden und besitzen jetzt schon ein immenses Potenzial. Diese beiden Aktien würde ich aktuell mit Kilian Mbappé von Paris St. Germain sowie Leroy Sané von Manchester City vergleichen.

Als Auswechselspieler auf den Flügelpositionen machen Teladoc und Square diesen beiden Konkurrenz. Bei Square und Teladoc fällt auf, dass sich die Kurse dieser beiden Aktien häufig simultan entwickeln und selbst die Charts sehr ähnlich sind, aber beide aktuell ein Formtief erleben. Daher erscheint aktuell die Auswechselbank angemessen. In diesem Zusammenhang fallen mir Damien Duff und Seaun Wright-Phillips ein, die in José Mourinhos Chelsea-Kader von 2005/06 in der Regel als Joker gemeinsam eingewechselt wurden, um im Angriff mehr Dynamik reinzubringen. Wenn Teladoc und Square weiterhin wachsen und sich weiterenwickeln, sollten auch die Aktienkurs früher oder später entsprechend nachziehen.

Im Sturm, als die größte Position im Wikifolio (im Fußball in der Regel die teuerste Position, von der man sich als Goalgetter den größten Beitrag zum Ergebnis erhofft), steht Wirecard. Genau wie man es sich von einem Stürmer erwartet, hat die Wirecard-Aktie im Rahmen der Erholung in den letzten Wochen einen entscheidenen Performance-Beitrag geleistet.

Wirecard zeichnet sich durch ein starkes Wachstum und durch Kreativität im Ausbau von Geschäftsbeziehungen aus. Gleichzeitig dürften die zukünftige Kooperation mit Softbank sowie das potenzielle Aktienrückkaufprogramm für weitere Kursfantasie sorgen. Außerdem entwickelt sich der Kurs infolge der Short-Attacke aktuell sehr dynamisch.

Da Wirecard noch keine wirklich dominante Position im Payment-Sektor hat (im Gegensatz zu beispielsweise Visa und Mastercard) würde ich die Aktie eher als „False 9“ einstufen. Als best-in-class fällt mir in dieser Rolle nur Lionel Messi ein – klein, flink, kreativ und torgefährlich (gleichwohl muss ich an dieser Stelle hinzufügen, dass ich Cristiano Ronaldo-Fan bin, aber ein Ronaldo an der Börse ist mir aktuell nicht begegnet).

Darüber hinaus sitzen auf der Bank noch populäre Player wie Facebook oder Paypal als Allroundtalent, das brasilianische „Wonderkid“ StoneCo, welches sich noch an das raue Börsenklima gewöhnen muss, Chinas Superstar Alibaba, die chinesischen Talente Momo, Ctrip sowie iQiyi, aber auch die beiden Topstars Adobe und Salesforce, die einen unverzichtbaren Bestandteil der Wikifolio-Mannschaft bilden.

Gleichwohl ist diese Mannschaft nicht in Stein gemeißelt. Ähnlich wie eine Fußballmannschaft ihre Spieler austauscht, weil sie zu alt geworden sind, nicht mehr ausreichendes Potenzial bieten oder andere Spieler besser in die Mannschaft passen, kann es auch hier zu Zu- und Abgängen kommen. Einige potenzielle Neuzugänge stehen schon auf der Transferliste.

Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, wie dein Depot als eine Fußballmannschaft aussehen würde?

Dann schreib doch einen Kommentar oder füge deine Aufstellung im Kommentarfeld hinzu!

Mithilfe von Footballuser kannst du deine eigene Mannschaft mit den Trikots deiner Lieblings-Fußballmannschaft aufstellen.

Ich hoffe, dass dich dieser Beitrag etwas vom aktuell trüben Börsenwetter ablenken konnte. Viel Spaß und Erfolg weiterhin mit deinen Investments!

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Dynamische Grüße,

Güner Soysal, 24.05.2019
Founder & CEO, Investment Analyst (M.A.)

 

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