Börsengang – Nachteile

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Einführung

Neben den Vorteilen bringt ein Börsengang auch gewisse Nachteile und Einschränkungen mit sich. Als Hauptnachteile des Börsengangs können die folgenden Punkte genannt werden:

  • Einflussverlust von Alteigentümern,
  • Gefahr der feindlichen Übernahme,
  • Publizitätspflichten,
  • Kosten der Börseneinführung und
  • Kosten der Börsennotierung

Einflussverlust von Alteigentümern

Gesellschafter, die den Börsengang aus Gründen der Finanzierung antreten, haben das Bedürfnis, ihren Einfluss an der Gesellschaft zu wahren. Durch den Börsengang und dem damit verbundenen Angebot der Aktien an der Börse haben Anleger und (aktivistische) Investoren die Möglichkeit, Aktien zu erwerben und Mitbestimmungsrechte auszuüben. Die Ausübung von Mitbestimmungsrechten von Aktionären und (aktivistischen) Investoren kann zu einem Verlust der Einflussnahme und Entscheidungsfreiheiten von Altaktionären führen.

Gefahr der feindlichen Übernahme

Neben der Gefahr des Verlusts der Einflussnahme von Altaktionären besteht die Gefahr der feindlichen Übernahme der Gesellschaft, indem Konkurrenten die Aktien des Unternehmens erwerben. Voraussetzung für eine Übernahme ist der Besitz der Aktienmehrheit des übernehmenden Unternehmens bei dem zu übernehmenden Unternehmen.

Im Rahmen einer feindlichen Übernahme erfolgt ein Tauschangebot der Aktien des übernehmungswilligen Unternehmens gegen Aktien des zu übernehmenden Unternehmens oder ein Kaufangebot für die entsprechenden Aktien durch das übernehmungswillige Unternehmen. Im Falle einer Aktienmehrheit des übernehmungswilligen Unternehmens besteht die Gefahr, dass der Aufsichtsrat fremdbesetzt und der Vorstand abberufen wird.

Ein Beispiel für eine feindliche Übernahme stellt die Übernahme des Düsseldorfer Mannesmann Konzerns durch das britische Mobilfunkunternehmen Vodafone im Jahr 2000 dar. Vodafone unterbreitete den Mannesmann-Aktionären ein Angebot in Höhe von 53,7 Vodafone-Aktien für eine Mannesmann-Aktie. Die Übernahme kostete den Vodafone-Konzern ungefähr 190 Milliarden Euro. Eineinhalb Monate nach dem Erwerb der Mannesmann-Aktien wurde der damalige Vorstandsvorsitzende des Mannesmann Konzerns durch den Aufsichtsrat abberufen und der Vodafone-CEO zum Aufsichtsrats- vorsitzenden von Mannesmann ernannt.

Zur Begrenzung des Grads der Einflussnahme von Publikumsaktionären und des Risikos einer feindlichen Übernahme stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. Eine Option ist die Emission von stimmrechtslosen Vorzugsaktien. Als Ausgleich für das fehlende Stimmrecht bietet der Emittent den Aktionären eine Kompensation in Form einer höheren Dividendenzahlung oder der Zusicherung einer Mindestdividende. Gleichzeitig kann ein Preisabschlag für den Erwerb der Aktien angeboten werden.

Eine weitere Option besteht in der Ausgabe von vinkulierten Namensaktien. Vinkulierte Namensaktien bedürfen zur Weiterveräußerung der Zustimmung der Gesellschaft. Gleichzeitig bieten sie dem Emittenten im Vergleich zu Vorzugsaktien den Vorteil, dass auf einen Preisabschlag oder einer höheren Dividendenzahlung verzichtet werden kann.

Publizitätspflichten

Börsennotierte Gesellschaften unterliegen gemäß Gesetz den strengsten Rechnungs- legungsvorschriften. Im Rahmen ihres Jahresabschlusses sind sie dazu verpflichtet, ihre Bilanz sowie ihre Gewinn- und Verlustrechnung gemeinsam mit dem Anhang und dem Lagebericht zu veröffentlichen und durch einen Wirtschaftsprüfer prüfen zu lassen. Der Jahresabschluss muss im Bundesanzeiger bekanntgemacht und im Handelsregister eingereicht werden.

Neben der Veröffentlichung des Jahresabschlusses werden Börsenunternehmen – abhängig vom jeweiligen Börsensegment – zur Publikation von Halbjahres- oder Quartalsberichten in deutscher und englischer Sprache aufgefordert. Weiterhin sind sie zur Veröffentlichung von Ad-hoc-Mitteilungen verpflichtet. Ad-hoc-Mitteilungen sind Nachrichten, welche Auswirkungen auf den Aktienkurs haben können und aus diesem Grund unverzüglich zu veröffentlichen sind.

Die Publizitätspflichten stellen eine Reihe von Anforderungen an das Unternehmen. Zum Einen ist deren Erfüllung mit einem hohen Aufwand für die Unternehmung verbunden. Zum Anderen müssen die internen Prozesse effizient ausgerichtet sein, um die Informationen zeitnah veröffentlichen zu können. Kommt ein Unternehmen seinen Publizitätspflichten nicht nach, drohen Geldbußen in Millionenhöhe sowie der Börsen- ausschluss.

Unternehmen befürchten, dass aufgrund der erhöhten Publizitätspflichten in Verbindung mit der Börseneinführung Konkurrenten die unternehmensinternen Erlös- und Kostenstrukturen durchschauen könnten. In Märkten mit einem hohen Wettbewerbsdruck, wie z.B. in der Automobilbranche, existieren Bedenken, im Wettbewerbsdruck zu unterliegen.

Kosten der Börseneinführung

In Bezug auf die Kosten des Börsengangs wird zwischen einmaligen und wiederkehrenden Kosten unterschieden. Einmalkosten stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Börseneinführung. In Abhängigkeit vom Emissionsvolumen, der Komplexität und den Umstrukturierungsmaßnahmen fallen die Kosten im Einzelfall in unterschiedlicher Höhe aus. Die Einmalkosten betragen im Durschnitt fünf bis zehn Prozent des Emissionsvolumens.

Den größten Kostenblock bilden die Provisionen der Konsortialbanken. Die Konsortialbanken kassieren für ihre Mitwirkung am Börsengang mehr als die Hälfte der Emissionskosten. Hinzu kommt das Honorar des Emissionsberaters, welcher das Unternehmen im Zuge der Börseneinführung in konzeptioneller und strategischer Weise zur Herstellung der Börsenreife unterstützt. Besitzt das Unternehmen keine börsenfähige Rechtsform, entstehen zusätzliche Kosten für die Umwandlung in einer Aktiengesellschaft oder Kommanditgesellschaft auf Aktien. Weitere Kostenfaktoren im Vorfeld der Börseneinführung bilden Druck- und Versandkosten des Börsenprospekts und der Wertpapierurkunden, Börsenzulassungsgebühren, Pflichtveröffentlichungen im Bundesanzeiger sowie Marketingausgaben. Neben den Einmalkosten ist der Börsengang mit einem beträchtlichen Zeit- und Arbeitsaufwand für das Management und die Mitarbeiter verbunden.

Kosten der Börsennotierung

Im Nachgang der Börseneinführung entstehen wiederkehrende Kosten, welche auf die Rechtsform der Börsengesellschaft, die Börsenpräsenz und die Anforderungen des ausgewählten Börsensegments zurückzuführen sind.

Zu den laufenden Kosten zählen in erster Linie die Kosten für die gesetzlich vorgeschriebene und jährliche einzuberufende Hauptversammlung, die Aufsichtsratskosten sowie Kosten in Verbindung mit gesetzlichen und börsensegmentspezifischen Publizitätspflichten.

Darüber hinaus ergreifen börsennotierte Gesellschaften häufig Marketingmaßnahmen, um die Gunst ihrer Anleger und potentieller Anleger zu gewinnen sowie ihr Image in der Öffentlichkeit zu pflegen. Zu diesem Zweck organisieren sie beispielsweise in regelmäßigen Abständen Analystenkonferenzen oder schalten Print-, Internet- und TV- Werbungen.

Die laufenden Kosten sind ebenfalls abhängig von den Gegebenheiten des jeweiligen Unternehmens. Die Kosten der Börsenpräsenz eines mittelständischen Unternehmens mit einer Marktkapitalisierung in Höhe von 300 Millionen Euro können sich auf schätzungsweise 200.000 Euro bis 700.000 Euro pro Jahr belaufen.

Im Falle von zusätzlichen Notierungen an ausländischen Wertpapierbörsen können sich die jährlichen Kosten erhöhen.


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