#18: Wirecard – Wie verdient Wirecard eigentlich sein Geld?

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Wirecard, das Gesprächsthema Nummer eins an den deutschen Wertpapierbörsen, bereitete Anlegern in den letzten Wochen seit der Veröffentlichung der Financial Times-Artikel nicht nur eine kurstechnische, sondern auch – im wahrsten Sinne des Wortes – eine emotionale Achterbahnfahrt.

Jenseits aller Vorwürfe und Kurskapriolen ist es meines Erachtens wichtig, einen nüchternen und sachlichen Blick auf das Unternehmen, das Geschäftsmodell und die Zukunftsaussichten zu legen.

Denn, wie bereits Benjamin Graham als Gründervater des Value Investing zum Ausdruck brachte: “In the short run the market is a voting machine, but in the long run it is a weighing machine.”

  • Wie verdient Wirecard eigentlich sein Geld?
  • Ist Wirecard überbewertet?
  • Was könnte Wirecards fair value sein?
  • Warum ist Wirecards Marge höher als Adyens Marge?
  • Warum sieht man das Wirecard-Logo so selten in der Öffentlichkeit und an Kartenterminals?

Diese und weitere in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierten Punkte erreichen mich des Öfteren durch Leseranfragen.

Ich hatte bereits in der Vergangenheit zwei Artikel verfasst, wo ich unter anderem auf Details zum Geschäftsmodell und zum Potenzial von Wirecard eingegangen war (siehe meine Artikel #11: Wirecard – Meine Takeaways von der Hauptversammlung vom 21.06.2018 und #17: Wirecard unter Short-Attacke – was tun?).

Thomas Senf alias „Finanzsenf“ – in meinen Augen einer der talentiertesten Aktienanalysten im Börsenblogger-Universum – hat die letzten Kursverluste genutzt, um eine umfangreiche Aktienanalyse zu Wirecard zu erstellen, wo unter anderem die oben genannten Punkte durchleuchtet werden. Ich freue mich, seinen Gastbeitrag zu veröffentlichen.

Vielleicht gelingt es uns – unabhängigen Börsenbloggern und Privatanlegern – hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Doch bevor ich das Wort an Thomas Senf übergebe, möchte ich noch ein paar Worte zu den aktuellen Geschehnissen verlieren.

Anfang der Woche hat die BaFin ein Verbot zur Begründung neuer Netto-Leerverkaufspositionen sowie zur Erhöhung bestehender Netto-Leerverkaufsposition erlassen. Ich hatte bereits in meinem Artikel #17: Wirecard unter Short-Attacke – was tun?“ eine entsprechende Anregung geliefert (siehe folgenden Textauszug; weitere Kommentare gibt es im Wikifolio):

Zum einen fällt es mir schwer zu glauben, dass diese Entscheidung der BaFin ohne Rücksprache mit anderen Behörden erfolgt sein könnte. Laut Berichten der FAZ liegt der Staatsanwaltschaft die Aussage eines Leerverkäufers vor, wonach er vor Veröffentlichung der FT-Artikel im Voraus benachrichtigt worden sei. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist auch, dass gegen einen FT-Journalisten ein Ermittlungsverfahren seitens der Staatsanwaltschaft eingeleitet worden sei.

Zum anderen erschien vor kurzem ein Bericht in der Wirtschaftswoche, wonach bestimmte Short-Seller jedesmal kurz vor Veröffentlichung neuer FT-Artikel ihre Short-Positionen gezielt ausgebaut hätten.

Des Weiteren verweist die BaFin in ihrer Stellungnahme auf die Jahre 2008 und 2016, wo es erwiesenermaßen mit falschen Behauptungen zu Kursmanipulationen der Wirecard-Aktie kam und sogar Haftbefehle gegen die Drahtzieher erlassen wurden. Hinzu kommt, dass auch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (kurz: ESMA) das Leerverkaufsverbot der BaFin unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen abgesegnet hat.

Ferner war es interessant in verschiedenen Medien zu lesen, dass obwohl Wirecard-Vorstandschef Markus Braun in der Telefonkonferenz erwähnt hatte, dass das Unternehmen mit den Behörden in Deutschland und Singapur in Kontakt stehe, reißerische Schlagzeilen wie „Razzia“ verwendet wurden. Diese Schlagzeilen brachten den Aktienkurs zusätzlich unter Druck.

Unter der Berücksichtigung, dass der im Raum stehende Betrag von EUR 6,9 Mio. nicht einmal ein Prozent des Wirecard-Umsatzes entspricht und laut einer internen Untersuchung von Wirecard an den Vorwürfen nicht dran sei, erscheint der Verlust einer Marktkapitalisierung von über sieben Milliarden Euro auf den ersten Blick mehr als nur eine „Überreaktion“ des Marktes.

In meinen Augen hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eine absolut richtige Entscheidung getroffen, womit sie auch den Verdacht auf eine Short-Attacke untermauerte. Als deutscher Anleger bedanke ich mich bei der BaFin für diesen mutigen Schritt! Gleichzeitig könnte die Frage gestellt werden, ob diese Entscheidung nicht hätte früher erfolgen können.

Nach dem Kursrutsch ist Wirecard in Bezug auf die Gewichtung im Real Financial Dynamics-Wikfolio auf Platz 1 gestiegen.

Ich gebe jetzt das Wort an Thomas Senf ab. Viel Spaß beim Lesen seines Gastbeitrags und seiner umfangreichen Wirecard-Aktienanalyse.


„Aktienanalyse – Wirecard AG – Nichts für schwache Nerven – Wirecard-Aktie in der Analyse“ – Ein Gastbeitrag von Thomas Senf – 

Wirecard Aktie – Ein Jahr auf Achterbahnfahrt

Quelle: Börse ARD, Kursentwicklung der Wirecard-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten

Der Chartverlauf der Wirecard Aktie zeigt es: Bei Wirecard war in den letzten 12 Monaten ordentlich Musik drin.

Die Aktie setzte Anfang April 2018 zu einem echten Höhenflug an. Die Aktie stieg in nur vier Monaten um fast +100%. Der Hype um die Aktie wurde mit der Aufnahme in den deutschen Leitindex DAX im September 2018 gekrönt. Die Wirecard Aktie verdrängte dabei das DAX-Gründungsmitglied Commerzbank aus dem Index. Die Medien feierten die Wachablösung der klassischen Banken durch das moderne Fintech Wirecard.

Ab Herbst 2018 wurden die Bären immer stärker und drückten die globalen Indizes nach unten, wovon auch Wirecard nicht verschont blieb. Der Kurs der Aktie fiel von knapp 200 Euro um schmerzhafte -35% bis Ende Dezember 2018. Mit der Erholung der globalen Aktienmärkte Anfang Januar 2019 nahm die Wirecard Aktie wieder Fahrt auf und legte in nur einem Monat in der Spitze um fast +30% wieder zu.

Short-Attacke mit Hilfe der Financial Times?

Doch dann veröffentlichte die renommierte britischen Finanzzeitung „Financial Times“ Anfang Februar 2019 mehrere Artikel über angebliche Ungereimtheiten bei Wirecard in Südostasien.

Dokumentenfälschung, Geldwäsche und Bilanzmanipulation lauten die Vorwürfe, die Wirecard alle umgehend dementiert und als irreführende, falsche, ungenaue und diffamierende Berichterstattung zurückweist. Den Aktienkurs lässt dies jedoch nicht kalt und er bricht in der Spitze vom Höchststand im Januar um mehr als -48% ein.

Sollten einzelne Hedgefonds bzw. Short-Seller (Leerverkäufer) vor Veröffentlichung der Anschuldigungen durch die Financial Times von der bevorstehenden Veröffentlichung gewusst haben, würde man von einer Short-Attacke sprechen. Bei einer Short-Attacke wetten einzelne Anleger und Hedgefonds auf fallende Kurse einer Aktie, in dem sie die Aktie leer verkaufen bzw. „short“ gehen. Sie leihen sich die Aktien zunächst von einem Dritten gegen eine Gebühr aus und verkaufen sie direkt teuer weiter. Nach einem Kursrückgang kaufen Sie die geliehenen und teuer verkauften Aktien billig wieder zurück und streichen so einen Gewinn ein.

Financial Times vs. Wirecard AG – Wer verliert?

Was sich nach dem ersten Bericht der Financial Times ereignet, kann als echter Börsenkrimi bezeichnet werden:

Vorwürfe der Financial Times gegen Wirecard, Dementierung durch Wirecard und Stellungnahme von Wirecard Anwälten, US-Anwälte bereiten eine Sammelklage gegen Wirecard vor, Durchsuchung der Geschäftsräume von Wirecard in Singapur durch die örtliche Polizei, Klage eines Anlegers gegen den Journalisten der Financial Times, Untersuchungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wegen des Verdachts auf Marktmanipulation, Bekräftigung der Vorwürfe gegen Wirecard durch die Financial Times, Zurückweisung durch Wirecard, Hedgefonds erhöhen ihre Shortpositionen auf Wirecard Aktien, Verhängung eines Leerverkaufsverbots für Wirecard Aktien durch die Bafin, Prüfung einer Klage gegen die Bafin durch die Hedgefonds wegen des Leerverkaufsverbots…

Aktuell ist ein Ende noch nicht absehbar und es stellt sich die Frage, welche Seite Recht hat.

Wirecard und die Short-Attacken – Wo Rauch ist, ist auch Feuer?

Viele Anleger hat die Berichterstattung der letzten Tage und Wochen rund um die Wirecard Aktie stark verunsichert. Wo Rauch ist, ist auch Feuer liest man in den Kommentaren der sozialen Medien dann häufig. Und es ist ja nicht das erste Mal, dass Wirecard Ungereimtheiten vorgeworfen werden.

Im Jahr 2008 wird Wirecard eine intransparente Bilanzierung der Bankensparte und eine unsaubere Abwicklung von Online-Wettgeschäften vorgeworfen. Wirecard dementiert die Vorwürfe der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Die Staatsanwaltschaft München verurteilt im Jahr 2011 zwei Ex-Mitglieder von SdK zu einer Haftstrafe wegen Betrug. Ein Bilanzbetrug kann Wirecard nicht nachgewiesen werden.

2016 greift der unbekannte britische Analysedienst Zatarra Wirecard mit einem 100 Seiten langen Report an. Geldwäsche, Glücksspiel und Betrug werden Wirecard vorgeworfen. Der Aktienkurs bricht ein. Wirecard dementiert und schaltet die Staatsanwaltschaft ein, die ein Verfahren wegen Marktmanipulation einleitet und mit einem Strafbefehl gegen den Herausgeber des Reports beendet.

Intransparenz des Geschäftsmodells begünstigt Short-Attacken

Einer der Gründe, warum Wirecard immer wieder in den Fokus von Short-Sellern gerät, ist die mangelnde transparente Darstellung und das daraus resultierende mangelnde Verständnis für das Geschäftsmodell von Wirecard. Gleichzeitig ist das Unternehmen operativ sehr erfolgreich und kann sehr gute Margen vorweisen. Margen, die manchem zu gut erscheinen.

Mit meiner Analyse der Wirecard AG versuche ich etwas mehr Transparenz in das Geschäftsmodell zu bringen. Gleichwohl stützt sich meine Analyse auf die von einem renommierten Wirtschaftsprüfer (Ernst & Young) geprüften Geschäftsberichte der Wirecard AG. Ich habe meine Analyse unter der Annahme erstellt, dass die gegen Wirecard erhobenen Vorwürfe insbesondere hinsichtlich Bilanzmanipulation nichtzutreffend sind und Wirecard kein systematisches Fehlverhalten nachgewiesen werden kann. Meine weiteren Gedanken dazu habe ich bereits auf meiner Facebook-Seite in einem Beitrag sowie in meinem FS Value Invest Wikifolio als Kommentar dargelegt.

Ist die Wirecard Aktie ein Kauf oder sollte man lieber sofort aussteigen? Machen Sie sich jetzt selbst ein Bild, mit der Finanzsenf-Aktienanalyse!

Die unabhängige und aufwendig recherchierte Finanzsenf-Aktienanalyse beschäftigt sich ausführlich mit dem Unternehmen Wirecard und seiner Branche. Management und Geschäftsmodell werden hinterfragt. Kritische Bilanzpositionen werden analysiert und bewertet. Chancen und Risiken werden aufgezeigt. Die Schätzung des fairen Wertes, eine Chartanalyse sowie das abschließende Fazit runden die Analyse ab und geben einen Hinweis, ob die Aktie derzeit für einen Kauf in Frage kommen könnte.

Hier geht es zur vollständigen Wirecard-Aktienanalyse im pdf-Format von Thomas Senf alias Finanzsenf.


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Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg bei deinen Investments.

Dynamische Grüße,

Güner Soysal, 23.02.2019
Founder & CEO, Investment Analyst (M.A.)

 

Quellen & Links

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Offenlegung von Interessenskonflikten: Die Autoren halten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung direkt oder mittelbar Positionen in den erwähnten Wertpapieren: Wirecard. Die Autoren beabsichtigen nicht innerhalb von 36 Stunden nach Veröffentlichung direkt oder mittelbar Transaktionen in den erwähnten Wertpapieren zu tätigen.


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